Wer steckt hinter dem Angriff an Bord der Flydubai-Maschine auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv? Genau diese Frage könnte laut Terrorismus-Experte Peter Neumann vom Londoner King’s College entscheidend dafür sein, welche Folgen der Vorfall noch haben wird.
Der Co-Pilot aus dem Oman soll den Piloten angegriffen haben. Passagiere drangen anschließend ins Cockpit ein und überwältigten ihn. Was der Mann mit dem Flugzeug vorhatte, ist weiterhin unklar.
Neumann erklärte im RONZHEIMER-Podcast, dass nun vor allem geklärt werden müsse, wer hinter dem mutmaßlichen Angriff steckt und "ob das ein Vorfall war, der abgehakt wird – oder ob das möglicherweise größere politische und militärische Konsequenzen haben wird".
Der Experte nennt vier mögliche Szenarien. Eine Möglichkeit sei eine psychische Erkrankung des Co-Piloten. "Er war psychisch krank. Dann wird es keine Konsequenzen geben. Das ist tragisch und verrückt, aber das war dann eben die Tat eines psychotischen Einzeltäters", heißt es in der BILD.
Als zweite Möglichkeit nennt Neumann ein Handeln aus persönlicher Überzeugung ohne eine Organisation im Hintergrund: "Er hat das aus Überzeugung gemacht, aber es gibt da keine Struktur um ihn herum." Auch in diesem Fall könnten schwerwiegende Konsequenzen ausbleiben.
Deutlich größere Folgen könnte es laut Neumann geben, falls eine Organisation hinter dem Mann stehen sollte.
"Hinter ihm steckt eine Organisation wie al-Qaida oder der Islamische Staat oder die Hisbollah oder andere Organisationen, mit der er verbandelt war, von der er den Auftrag bekommen hat. Das würde ganz erhebliche Konsequenzen haben. Ich sehe keine Möglichkeit, wie ein israelischer Premierminister darauf nicht reagieren würde", sagt er in dem RONZHEIMER-Podcast.
Als vierte Variante nennt Neumann die mögliche Beteiligung eines Staates: "Es steckt ein Staat dahinter. (...) Der Iran hat sicher ein Interesse auch an einer Art hybrider Kriegsführung gegen Israel. Es gibt iranische offizielle Stimmen, die sich heute schon geäußert haben, die das im Prinzip für gut befunden haben. Die gesagt haben: 'Ihr habt es verdient.' Ob die tatsächlich dahinterstecken, das wissen wir noch nicht. Aber wenn sie dahinterstecken sollten, wenn es dafür genügend Anzeichen gibt, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass eine Vergeltungsaktion das Mindeste ist, was da passieren könnte."
Ob tatsächlich eine Organisation oder ein Staat hinter dem Angriff steht, ist damit nicht geklärt. Das Motiv des Verdächtigen ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Neumann sieht nach dem Vorfall außerdem eine mögliche Schwachstelle bei den Sicherheitsvorkehrungen im internationalen Flugverkehr.
"Es gibt Sicherheitsprotokolle dafür, wenn ein Pilot handlungsunfähig wird. Aber da geht man davon aus, dass das nicht durch Absicht passiert. Protokolle dafür, dass ein Pilot den anderen auszuschalten versucht, um die Kontrolle des Flugzeuges an sich zu reißen, das ist tatsächlich eine Lücke in den Sicherheitsprotokollen", wird der Experte in der BILD zitiert.
Entscheidend für die weiteren Folgen dürfte damit sein, welches Motiv die Ermittler beim verdächtigen Co-Piloten feststellen und ob er tatsächlich allein gehandelt hat.