Immer neue Details kommen nach dem dramatischen Zwischenfall auf dem flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv ans Licht. Was zunächst wie eine mögliche Entführung wirkte, könnte ein noch dramatischerer Zwischenfall im Cockpit gewesen sein.
Nach aktuellen Medienberichten soll nicht einfach ein Streit zwischen zwei Piloten eskaliert sein. Demnach soll der Co-Pilot den Kapitän während des Fluges attackiert und mehrfach mit einem Messer auf ihn eingestochen haben.
Offiziell bestätigt ist diese Darstellung bisher nicht. Gesichert ist jedoch, dass es im Cockpit zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung kam. Das bestätigte auch ein israelischer Regierungsvertreter. Die genauen Hintergründe werden untersucht.
Damit korrigiert sich auch das Bild, das unmittelbar nach dem Vorfall entstanden war. Erste Meldungen hatten lediglich von einer Prügelei zwischen einem russischen und einem ukrainischen Piloten gesprochen.
Neuere Berichte bezeichnen nun ausdrücklich den Co-Piloten als mutmaßlichen Angreifer und den Kapitän als Opfer. Welche Nationalität welcher der beiden Männer hat, ist hingegen weiterhin nicht verlässlich offiziell bestätigt. Frühere Berichte, wonach der Kapitän Russe und der Co-Pilot Ukrainer sei, sollten deshalb derzeit mit Vorsicht behandelt werden.
Besonders brisant sind Berichte über das Verhalten der Boeing 737 MAX 8 während des Zwischenfalls. Die Maschine verlor in kurzer Zeit massiv an Höhe. Berichten zufolge soll der Co-Pilot versucht haben, das Flugzeug gezielt in einen steilen Sinkflug zu bringen.
Der Kapitän soll sich trotz der Attacke gewehrt und versucht haben, die Kontrolle über die Maschine zurückzugewinnen. Auch weitere Personen an Bord sollen bei der Überwältigung des Angreifers geholfen haben.
Damit rückt eine neue Frage in den Mittelpunkt: Wollte der Co-Pilot nicht nur seinen Kollegen töten, sondern auch die Maschine zum Absturz bringen?
Laut aktuellen Medienberichten wird ein möglicher Suizidversuch untersucht. Vereinzelt ist sogar von einem versuchten erweiterten Suizid die Rede. Dafür gibt es zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keine offizielle Bestätigung.
Suizidgedanken? Es gibt Hilfe.
Wenn du unter Suizidgedanken, Depressionen oder anderen Ausnahmesituationen leidest, bietet die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 von 0-24 Uhr kostenlos und anonym schnelle Unterstützung.
Weitere Ansprechstellen für Betroffene:
Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring - Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112
Noch weniger gesichert sind Spekulationen, der Mann habe die Boeing absichtlich nach Israel bringen und dort einen Anschlag verüben wollen. Für einen solchen Anschlagsplan gibt es derzeit keine belastbare Bestätigung. Auch ein politisches Motiv oder ein Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist bisher nicht nachgewiesen.
Fest steht hingegen: Während des Dramas setzte die Besatzung zunächst den internationalen Notfallcode 7700 ab. Wenige Minuten später folgte 7500. Dieser Code signalisiert einen unrechtmäßigen Eingriff in ein Flugzeug und kann auf eine Entführung hinweisen.
In Israel wurde deshalb Großalarm ausgelöst. Kampfflugzeuge stiegen auf, die Behörden bereiteten sich auf einen möglichen Sicherheitsvorfall vor. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und hochrangige Sicherheitsvertreter wurden eingeschaltet.
Die Maschine drehte schließlich ab und flog nach Saudi-Arabien. Auf dem Flughafen von Tabuk gelang die sichere Landung.
An Bord befanden sich laut Berichten rund 180 Menschen. Die Passagiere überstanden das Drama nach bisherigem Stand unverletzt.
Für die Ermittler beginnt die entscheidende Arbeit aber erst jetzt. Sie müssen klären, wer im Cockpit zuerst Gewalt anwendete, wie schwer der Kapitän verletzt wurde und vor allem, was der mutmaßliche Angreifer tatsächlich vorhatte.