Der britische Premierminister Andy Burnham stößt eine Grundsatzdebatte über die Zukunft seines Landes nach dem Brexit an. In einem BBC-Interview machte der Labour-Politiker am Mittwoch deutlich, dass dabei selbst eine Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union nicht ausgeschlossen werden soll.
Man müsse ohne Scheuklappen prüfen, welches Verhältnis zur EU langfristig im Interesse des Landes liege. Als mögliche Modelle nannte Burnham den derzeitigen Status, eine Zollunion mit der EU oder eine Rückkehr in den europäischen Binnenmarkt. Großbritannien könne aber auch "den ganzen Weg gehen", sagte der Premier – und spielte damit auf einen erneuten EU-Beitritt an.
Bereits am Dienstag hatte Burnham beim Parteitag der Labour Party ungewöhnlich deutliche Worte gefunden. "Brexit hat mehr Schaden als Nutzen angerichtet", erklärte er dort. Großbritannien brauche wieder einen klaren langfristigen Kurs gegenüber seinem weiterhin wichtigsten Handelspartner.
Damit rückt Burnham von den bisherigen roten Linien seiner Partei ab. Unter seinem Vorgänger Keir Starmer hatte Labour eine Rückkehr in den EU-Binnenmarkt oder die Zollunion ausdrücklich ausgeschlossen. Burnham steht erst seit dem 20. Juli an der Spitze der britischen Regierung. Zuvor war er zum Labour-Chef gewählt worden und hatte Keir Starmer als Premierminister abgelöst.
Konkreter werden will Burnham rund um den nächsten britisch-europäischen Gipfel Ende November. Dort soll die Regierung verschiedene Modelle für die langfristigen Beziehungen zur Europäischen Union vorstellen und diskutieren.
Ein rascher Wiedereintritt Großbritanniens in die EU ist damit allerdings noch nicht beschlossen. Eine Vollmitgliedschaft würde weitreichende Verhandlungen mit Brüssel erfordern und dürfte in Großbritannien auch eine neuerliche politische Debatte über ein Referendum auslösen. Burnham hatte bereits vor seiner Zeit als Premier erklärt, dass er eine Rückkehr Großbritanniens in die EU noch zu seinen Lebzeiten begrüßen würde.