Jucker war in der Schweizer Sportszene als Kommentator eine Legende. 2011 ist er mit 65 Jahren nur wenige Tage nach seiner Pensionierung verstorben. Doch wie 20min.ch berichtet, wirft ein aktueller Bericht vom "Tages-Anzeiger" ein dunkles Licht auf ihn: 1971 wurde Jucker wegen eines sexuellen Übergriffs verurteilt. Diese Tatsache steht im Buch "Ich bin ein Unfall" von Willi Fegble, der heute 71 Jahre alt ist.
Fegble schildert, dass er in den 1970er-Jahren von Jucker missbraucht wurde – damals war er erst 15. Er war nicht das einzige Opfer. Laut dem vom "Tages-Anzeiger" geprüften Urteil wurde Jucker im Mai 1971 wegen 20 Vorfällen zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt. Die Opfer waren Buben unter 20, einer sogar jünger als das Schutzalter von 16.
Jucker hat sich schuldig bekannt, aber offenbar keine Reue gezeigt. "Der Angeklagte ist der Meinung, dass bereits gestrauchelte Menschen ohne Bedenken in ihrer Situation belassen werden und missbraucht werden können", heißt es im Urteil. "Er konnte Karriere beim SRF machen und wird in bester Erinnerung gehalten – und wir leiden ein Leben lang wegen seiner Taten", sagt Fegble. Im Umfeld von Jucker soll sein Verhalten gegenüber Minderjährigen bekannt gewesen sein.
Am Montagvormittag hat das SRF, Juckers späterer Arbeitgeber, eine Stellungnahme verschickt. Man habe erst "vor einigen Wochen" von der Verurteilung erfahren. Die Taten hätten keinen Bezug zu seiner Arbeit beim SRF. Man verfolge eine Nulltoleranz-Politik gegenüber sexueller Gewalt und dem Schutz der persönlichen Integrität jedes Menschen.
SRF-Direktor Roger Elsener sagt: "SRF verurteilt jede Form von sexueller Gewalt sowie Verletzungen der persönlichen Integrität. Die Berichte über die damalige Verurteilung sowie die bekannt gewordenen Straftaten erschüttern uns und machen uns tief betroffen. Wir bedauern das Leid, das den Opfern zugefügt wurde. Unser Mitgefühl gilt ihnen und den Angehörigen."
Das SRF kündigt an, "als Medienunternehmen mit öffentlichem Auftrag und Arbeitgeberin mit Vorbildfunktion diese Ereignisse sehr ernst" zu nehmen. Der damalige Umgang des SRF mit dem Fall wird genau analysiert. Es startet eine externe Aufarbeitung. "SRF wird allfällige Erkenntnisse aus dem vorliegenden Fall nutzen, um die heute bestehenden Maßnahmen zu prüfen und gegebenenfalls weiter zu stärken." Wegen des langen Zeitraums will sich das SRF für die sorgfältige Aufarbeitung ausreichend Zeit nehmen.
Das SRF erklärt, dass man künftig keine Videoclips mehr veröffentlichen werde, in denen Jucker als Kommentator im Mittelpunkt steht. Bereits veröffentlichte Clips wurden von eigenen Plattformen und von SRF-Kanälen auf Drittplattformen entfernt. Als Teil der dokumentierten Programm- und Zeitgeschichte bleiben aber Archivbeiträge wie Zusammenfassungen von Sportereignissen oder kommentierte Wettkämpfe von Jucker weiterhin zugänglich.