Die Anzeigenstatistik der Wiener Polizei zeigt ein differenziertes Bild: Während die Gesamtkriminalität 2025 leicht zurückgegangen ist und mehr Fälle geklärt wurden, gibt es vor allem bei der Jugendkriminalität und einzelnen Gewaltformen Zuwächse.
"Keine großen Überraschungen, Wien entspricht dem österreichweiten Trend", sagt Gerhard Winkler, Leiter des Ermittlungsdienstes im Landeskriminalamt Wien bei der Pressekonferenz am Dienstag.
Die Gesamtzahl der Anzeigen ist leicht gesunken (von 194.981 auf 194.625 Fälle), gleichzeitig konnte die Polizei mehr Fälle aufklären. Die Aufklärungsquote liegt aktuell bei 44,6 Prozent. "Wir nähern uns den 50 Prozent stetig an", so Winkler.
Auch bei Vermögensdelikte gibt es einen Rückgang auf 126.647 Fälle (2024: 131.101). Besonders Wohnungseinbrüche (-13,2 %) sind deutlich weniger geworden. Auch der einfache Diebstahl sowie PKW-Diebstähle (-18,7 %) und Taschen- bzw. Trickdiebstähle (-7,8 %) waren rückläufig. Entgegen dem österreichweiten Trend ging in Wien zudem die Internetkriminalität (-7,2 %) zurück.
Einbruchsdiebstähle nahmen leicht zu (+0,3 %), insbesondere durch Einbrüche in Kraftfahrzeuge (+2,7 %).
Gleichzeitig sieht die Polizei Entwicklungen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern. Die Gewaltkriminalität ist um 1,4 Prozent auf 31.430 Fälle gestiegen. Insbesondere Körperverletzungen nahmen zu (+2 %). Rückläufig waren hingegen Vergewaltigungen (-10 %), wobei eine hohe Aufklärungsquote von 79 % erzielt wurde. Auffällig war ein deutlicher Anstieg der Gewalt gegen Beamte (+22,4 %).
"Wir wollen in Wien nicht haben, dass Unsicherheitsräume entstehen und sich dieses Problem manifestiert", sagt Winkler. Die Zahl der vollendeten Morde sank auf 15 Fälle (2024: 26), wobei 14 Fälle geklärt werden konnten (2024: 24).
Ein Schwerpunkt liegt auf der Jugendkriminalität (bis 21 Jahre). Hier wurden 2025 23.776 Fälle registriert – ein Anstieg von 10,7 Prozent.
Besonders deutlich ist der Zuwachs bei strafunmündigen Tatverdächtigen (10 bis 14 Jahre), insbesondere bei Einbruchsdiebstählen mit 2.527 Fällen (2024: 2.093, +20,7 %) und Körperverletzung mit 955 Fällen (2024: 773, +23,5 %). "Wie sie mit Nothammern die Glasscheiben einschlagen und Einbruchsdiebstähle begehen", beschreibt Winkler typische Vorgehensweisen.
In der Altersgruppe der unter 10-Jährigen stieg die Zahl der Tatverdächtigen von 216 im Jahr 2024 auf 243 im Jahr 2025.
Die Wiener Polizei setzt verstärkt auf Prävention und Zusammenarbeit. Dazu gehören eine engere Vernetzung mit Jugendeinrichtungen, eigene Arbeitsgruppen sowie ein neues Analysetool, um Schwerpunktgebiete frühzeitig zu erkennen. "Wir haben Vorsorge getroffen, dass es in jeder Dienststelle einen konkreten Ansprechpartner gibt", erklärt Winkler.