Weil in der Region Lyman seit dem Frühsommer strenge Geheimhaltung herrschte, gab es von der Ukraine kaum Neuigkeiten von dort. Erst am Dienstag hat sich das ukrainische Militär öffentlich zur Operation "Vivaldi" geäußert. In den letzten Tagen zeigen von Experten überprüfte Fotos und Videos, dass es der Ukraine gelungen ist, Lyman zu halten und einen massiven Angriff der russischen Streitkräfte abzuwehren.
Wie "NTV" berichtet, war das ein wichtiger Erfolg für die ukrainische Armee. Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) nennt mehrere Gründe für diesen Erfolg. So hat das ukrainische Militär vor der Gegenoffensive gezielt nach russischen Drohnenpiloten und deren Startplätzen gesucht.
Das Ziel war, in der Region die Oberhand bei den Drohnen zu gewinnen. Ein Offizier vom dritten Armeekorps sagt, dass diese Angriffe sogar dazu geführt haben, dass die gesamte russische Elite-Drohneneinheit Rubikon an einen anderen Frontabschnitt verlegt werden musste.
Außerdem hat die Ukraine mit Drohnen mittlerer Reichweite gezielt russische Nachschublinien angegriffen. Diese Attacken haben die russische Logistik bis zu 120 Kilometer hinter der Front gestört. Ohne genug Treibstoff hatten es die Russen schwer, ihre eigenen Drohnen und Störsender einzusetzen.
Gleichzeitig hat die Ukraine ihre Flugabwehr verstärkt und Systeme für die elektronische Kriegsführung in Stellung gebracht. So ist eine Art Anti-Drohnen-Kuppel am Gefechtsfeld entstanden, die sich mit den vorrückenden ukrainischen Truppen mitbewegt hat. Diese Kuppel hat die russische Aufklärung und Angriffe vorübergehend gestört.
Die Analysten meinen, dass das ukrainische Vorgehen genau dem entspricht, was das ISW empfiehlt, damit groß angelegte Bewegungen im modernen Krieg wieder möglich werden: Zuerst muss das Zusammenspiel aus Aufklärungs- und Angriffsdrohnen, Artillerie und anderen Waffen des Gegners ausgeschaltet oder zumindest entscheidend gestört werden.