Vadym Lietunov, ein ukrainischer Soldat, geriet während heftiger Gefechte an der Front versehentlich in eine russische Schützengraben-Truppe. Nach einem Drohnenangriff, bei dem sein Kamerad getötet wurde, suchte er Schutz und fand sich plötzlich unter russischen Soldaten wieder.
Lietunov erkannte erst nach dem Betreten des Unterschlupfs, dass er sich in einer feindlichen Stellung befand. Dort begegnete er Nikita, einem russischen Soldaten, der ihm überraschenderweise das Leben verschonte. Zwei Wochen lang musste Lietunov in dieser lebensgefährlichen Situation ausharren.
Wie der britische "Guardian" berichtet, entwickelte sich zwischen Lietunov und Nikita ein ungewöhnliches Vertrauensverhältnis. Der russische Soldat, der unter schwierigen Bedingungen litt, fasste schließlich den Entschluss, sich gemeinsam mit Lietunov den ukrainischen Truppen zu ergeben.
Der Ukrainer nutzte die angespannte Lage, um Nikitas Vertrauen zu gewinnen. Er erkannte, dass seine einzige Überlebenschance darin lag, sich als harmlos darzustellen. Nikita, von der russischen Propaganda beeinflusst, kontrollierte Lietunov regelmäßig und war überzeugt, ukrainische Soldaten seien besonders gefährlich.
In der Zeit des unfreiwilligen Zusammenlebens mussten sie mit minimaler Nahrung, Kälte und ständiger Gefahr durch Drohnenangriffe zurechtkommen. Die psychische Belastung war enorm, da Nikita teils unberechenbar reagierte und dem Ukrainer mehrmals mit der Waffe drohte.
Nachdem Lietunovs Einheit ihn bereits für tot gehalten hatte, gelang es ihm, mithilfe von Hinweisen und einer Drohne Kontakt zu seinen Kameraden aufzunehmen. Nach mehreren Fehleinschätzungen konnte die ukrainische Seite ihn identifizieren und retten.
Lietunov kehrte schließlich nicht nur lebend, sondern auch mit dem russischen Soldaten Nikita als Kriegsgefangenen zurück. Beide wurden von den ukrainischen Soldaten überrascht empfangen. Lietunov erklärte später: "Es ist ein Wunder. Ich war Gefangener, aber am Ende kam ich mit einem Gefangenen zurück."