Der Krieg ist noch lange nicht vorbei, doch die Ukraine richtet den Blick bereits nach vorne. Mitten im Ausnahmezustand beginnt der Wiederaufbau – getragen hauptsächlich von Geld aus Europa. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Europäische Investitionsbank (EIB), deren Vizepräsident Karl Nehammer aktuell vor Ort ist.
Beim Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj wird laut "Krone"-Bericht schnell klar: Die Ukraine braucht nicht nur militärische Unterstützung, sondern vor allem finanzielle Hilfe in gewaltigem Ausmaß. Milliardenbeträge fließen in das Land – allerdings nicht als Geschenk, sondern als Kredite. Diese müssen verzinst und irgendwann zurückgezahlt werden. Trotzdem sieht man darin eine notwendige Grundlage für die Zukunft.
Nehammer betont bei seinem Besuch sinngemäß, dass echte Perspektiven nur durch konkrete Investitionen entstehen. Selbst unter Kriegsbedingungen müsse man an den Wiederaufbau glauben und diesen aktiv vorantreiben. Genau das passiert derzeit an mehreren Orten im Land.
Stationen der Reise sind unter anderem Tschernobyl, Kiew und auch die westukrainische Stadt Lwiw. Gerade dort wird sichtbar, wie breit die Hilfe gestreut ist. Europäische Gelder fließen in Krankenhäuser, die Kriegsverletzte versorgen, ebenso wie in Infrastrukturprojekte. Straßen werden saniert, das Bahnnetz modernisiert und Bildungseinrichtungen unterstützt.
Der Wiederaufbau läuft also bereits – obwohl russische Angriffe weiterhin Realität sind. Diese Parallelität zeigt, unter welchem Druck das Land steht: Einerseits tägliche Bedrohung, andererseits der Versuch, ein funktionierendes Leben wiederherzustellen.
Ein besonders symbolträchtiges Projekt findet sich in Butscha, einem Vorort von Kyjiw. Der Ort wurde im Frühjahr 2022 weltweit bekannt, nachdem russische Truppen dort ein Massaker an Zivilisten verübt hatten. Hunderte Menschen verloren ihr Leben, ganze Straßenzüge wurden zerstört.
Jetzt setzt man dort ein Zeichen des Neuanfangs. Eine Volksschule, die damals schwer beschädigt wurde, ist wieder aufgebaut worden. Die Sanierung erfolgte in erstaunlich kurzer Zeit. Möglich wurde das Projekt durch einen Kredit der Europäischen Investitionsbank in Höhe von rund 600.000 Euro. Heute steht die Schule wieder, modern ausgestattet - allerdings mit einem Detail, das den Alltag im Kriegsland widerspiegelt: Ein Luftschutzbunker gehört fix dazu.
Nehammer durfte das Gebäude offiziell eröffnen – eine Aufgabe, die ihm in seiner Zeit als österreichischer Bundeskanzler verwehrt geblieben war. Der Schulbetrieb ist wieder angelaufen, Kinder kehren in einen halbwegs normalen Alltag zurück. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit bestehen. Jeder Unterrichtstag steht unter dem Vorbehalt möglicher Angriffe.
Trotzdem zeigt dieses Beispiel, wie entschlossen die Ukraine ihren Wiederaufbau angeht. Es geht nicht nur um Infrastruktur, sondern auch um Hoffnung und Perspektive. Die Botschaft ist klar: Das Land will sich nicht nur verteidigen, sondern auch weiterentwickeln.
Die Milliarden aus Europa sind dabei ein zentraler Baustein. Während an der Front weiter gekämpft wird, läutet in Butscha wieder die Schulglocke – ein starkes Zeichen dafür, dass es eine Zukunft für die Ukraine gibt.