Der Wiederaufbau der kriegsgebeutelten Ukraine läuft in vielen Bereichen bereits an – und Österreich will kräftig mitmischen. Um internationale Aktivitäten besser abzustimmen, holte das Außenministerium am 26. und 27. Februar knapp 40 Sonderkoordinatoren nach Wien.
Mit am Tisch: Vertreter aus ganz Europa sowie aus Kanada, Japan, Korea und der Türkei. Auch Weltbank, Europäische Investitionsbank (EIB) und Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) waren dabei.
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) machte klar, worum es geht: Stabilität für die Ukraine – und strategische Vorteile für Europa. "Wenn wir jetzt nicht mitgestalten, werden es andere tun. Das wäre weder im europäischen noch im österreichischen Interesse", so die Ministerin.
„Wenn wir jetzt nicht mitgestalten, werden es andere tun.“Beate Meinl-ReisingerAußenministerin (Neos)
Das Interesse österreichischer Unternehmen am Wiederaufbau sei groß. "Es geht hier nicht nur um Solidarität und Hilfe, sondern um eine große wirtschaftliche Chance für Österreich. Denn die Aufträge kommen am Ende dem Standort Österreich zugute und sichern Arbeitsplätze - auch in Österreich", erklärte Meinl-Reisinger. Und weiter: "Unser Ziel ist es, im Wettbewerb um die Beteiligung am Wiederaufbau koordiniert vorzugehen und internationale Kooperation vor Konkurrenz zu stellen."
Wie stark Österreich bereits engagiert ist, unterstrich Ex-Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, der seit 30. April 2005 als Regierungskoordinator für den Ukraine-Wiederaufbau fungiert. Österreichische Unternehmen betreiben rund 200 Niederlassungen in der Ukraine und verfügen über wertvolle Expertise, die vor Ort dringend gebraucht wird – etwa im Gesundheitsbereich, in der Bauwirtschaft oder beim Aufbau der Energieinfrastruktur.
Trotz des Kriegs stieg das österreichische Exportvolumen in die Ukraine 2025 um 16 Prozent.
Beim Wiederaufbau geht es um gewaltige Summen. Während die Weltbank im Vorjahr von 524 Milliarden Dollar ausging, wird der Bedarf aktuell mit rund 588 Milliarden Dollar beziffert.
"Der Wiederaufbau ist kein Projekt für zwei oder drei Jahre, es handelt sich um ein Generationenprojekt", so Anzengruber. Seine Rolle sieht er im gezielten Zusammenbringen von österreichischen Unternehmen, ukrainischen Partnern, internationalen Finanzinstitutionen und Garantiegebern.
Beim Wiederaufbau-Gipfel in Wien ging es um Koordination, Finanzierung und Absicherung, damit der Wiederaufbau effizient vorankommen und die Ukraine als stabiler Nachbar wirtschaftlich näher an Europa rücken kann.