Der 1959 gepflanzte Baum am Augustinplatz in Wien-Neubau musste Montag Vormittag Platz für einen U2-Notausstieg machen – wir berichteten. ÖVP-Bezirksparteiobfrau Christina Schlosser protestierte bis zuletzt, kettete sich im Herbst mit Parteikollegen sogar an den Baum und forderte eine Umsiedlung der alten Linde.
Ein teures Unterfangen, kontert nun die Bezirksvorstehung. "Eine Umsiedelung des Baumes hätte rund 400.000 Euro gekostet", so Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne). So wolle man im Bezirk nicht mit Steuergeld umgehen. Aus rechtlicher Sicht habe der Bezirk jedoch grundsätzlich keine Handhabe. Die Wiener Linien dürften in diesem Fall Bäume ohne Bescheid fällen lassen, heißt es weiter.
Wie Reiter berichtet, wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung im Juni einstimmig beschlossen, sich für den Erhalt der Linde einzusetzen. Es kam in der Folge zu Treffen mit dem Stadtratbüro und einer Baumsachverständigen. Ob der Baum vital genug und überlebensfähig wäre, darüber waren sich die Experten nicht einig – eine Freigabe der Kosten gab es allerdings nicht.
Dass die Fällung einen Verlust für den Bezirk darstellt, steht für Reiter aber außer Frage: "In Zeiten der Klimakrise dürfen wir uns jetzt nicht mit dem Minimum an Ersatzpflanzungen zufriedengeben. Es braucht eine mutige zeitgemäße Planung." Diese Planung solle mit einer Verkehrsberuhigung und damit einer Fortsetzung der kühlen Zone Neubau einhergehen. Weiters fordert Reiter eine Reform des Wiener Baumschutzgesetzes. Bestandsbäume in der dichtverbauten Innenstadt sollen einen ähnlichen Stellenwert erfahren, wie man dies vom Denkmalschutz kennt.
Der Bezirk wurde laut Reiter drei Tage vor der Fällung über die Entscheidung der Wiener Linien informiert. Der Schubert-Gedenkstein wird übrigens in der Zwischenzeit fachgerecht in der Bezirksvorstehung Neubau verwahrt. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber: Nach Fertigstellung der Bauarbeiten am Augustinplatz sollen hier und im angrenzenden Bereich 20 neue Bäume gepflanzt werden, heißt es zu "Heute".