Keine Ruhe im Brucknerhaus

Umstrittener Manager weg – dennoch weiter fettes Gehalt

Die Linzer Kultur kommt nicht zur Ruhe: Nach massiven Vorwürfen musste der Chef des Brucknerhauses gehen. Er ist freigestellt – bei vollen Bezügen.

Tobias Prietzel
Umstrittener Manager weg – dennoch weiter fettes Gehalt
Blickt in eine ungewisse Zukunft: das Linzer Brucknerhaus samt Namensgeber und geschasstem Chef.
"Heute", fotokerschi.at

Eigentlich ist alles angerichtet: Dieses Wochenende sollte der 50. Geburtstag des Brucknerhauses groß gefeiert werden. Der Festreigen findet zwar statt, die Lust aufs Partymachen hält sich aber stark in Grenzen.

Denn: Der ohnehin umstrittene Vorstand Dietmar Kerschbaum sieht sich seit vergangener Woche mit schwerwiegenden Anschuldigungen konfrontiert.

Bombe geplatzt

Der "Falter" ließ die Bombe platzen: Demnach soll die Bestellung des Managers vor sieben Jahren geschoben worden sein. Er habe die Fragen der Hearing-Kommission vorab erhalten. Auf dem 53-Jährigen lastet außerdem: Die Programmierung des Hauses vergab er an eine externe Agentur, deren Künstler wiederum im Linzer Konzerthaus auftraten.

Was zusätzlich für Unmut sorgt: Kerschbaum selbst und auch seine Ehefrau standen immer wieder auf der Brucknerhaus-Bühne und sollen dafür üppige Gagen kassiert haben.

Trotz aller Appelle hält sich die Feierlaune in Linz derzeit stark in Grenzen.
Trotz aller Appelle hält sich die Feierlaune in Linz derzeit stark in Grenzen.
"Heute"

Freilich obendrauf auf das, was der gebürtige Burgenländer als Chef der Linzer Veranstaltungsgesellschaft LIVA an Einkommen bezieht: Laut gut informierten Kreisen soll sich sein Brutto-Jahressalär auf 200.000 Euro belaufen. Und: Kerschbaum ist zwar seit Freitag vom Dienst freigestellt, kassiert aber weiter sein Gehalt.

Einsicht gefordert

Wie lange noch?, mag sich da manch einer fragen. Aufsichtsratschef Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) betonte jedenfalls zuletzt, dass man "unter Zeitdruck" an der Aufklärung der Vorwürfe arbeite. Von verschiedenen Seiten wurde in den vergangenen Tagen mehr Transparenz eingefordert. Aufsichtsratsmitglied Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) etwa pochte auf Einsicht in Kerschbaums Vertrag.

Die Zahl der Brucknerhaus-Abos ist seit 2017 deutlich gesunken.
Die Zahl der Brucknerhaus-Abos ist seit 2017 deutlich gesunken.
zVg

Die LIVA und das Kontrollamt
Die LIVA zählt eine Vielzahl an Einrichtungen: Neben dem Brucknerhaus gehören zu ihr die Kulturstätte Posthof, die Veranstaltungshalle TipsArena, das Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel sowie das Stadion auf der Linzer Gugl, Tenniszentrum Froschberg und die Sportparks Lissfeld, Auwiesen und Pichling.
Im Vorjahr nahm das städtische Kontrollamt die Gesellschaft unter die Lupe und hatte Einiges zu bemängeln: Unter Kerschbaums Verantwortung wurde ein fehlendes Regulativ bei der Vergabe von Freikarten aufgedeckt, dazu ein Wildwuchs an Abo-Angeboten bei gleichzeitig stark rückläufigen Zahlen.

Die Kulturstätte sank in den vergangenen Jahren noch tiefer in die roten Zahlen.
Die Kulturstätte sank in den vergangenen Jahren noch tiefer in die roten Zahlen.
zVg
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    Weingartner-Foto / picturedesk.com

    Auf den Punkt gebracht

    • Der Chef des Brucknerhauses in Linz musste aufgrund schwerwiegender Anschuldigungen seinen Posten räumen, bleibt jedoch trotzdem mit vollem Gehalt freigestellt
    • Es besteht Unmut über die Vergabe von Aufträgen an eine externe Agentur, bei der auch Künstler auftraten, die im Linzer Konzerthaus gebucht wurden, sowie über die üppigen Gagen, die der Vorstand und seine Ehefrau für Auftritte erhalten haben sollen
    • Verschiedene Seiten fordern mehr Transparenz und eine zügige Aufklärung der Vorwürfe
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