Verstöße trotz mehr Kontrollen

Unfall zeigt – Weiter Sicherheitsmängel auf Baustellen

Nach dem tödlichen Baustellenunfall in Wien rücken Sicherheitsmängel erneut in den Fokus – obwohl die Kontrollen zuletzt deutlich zugenommen haben.
Wien Heute
01.04.2026, 09:09
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Nach dem tödlichen Unfall auf einer Baustelle am Alsergrund ("Heute" berichtete), bei dem vier Arbeiter ums Leben kamen, laufen die Ermittlungen zur Ursache weiterhin. Ergebnisse liegen aktuell noch nicht vor.

Tragkonstruktion zusammengebrochen

Fest steht bislang: Im Innenhof eines Gebäudes stürzte ein Baugerüst ein. Laut Dietmar Haslinger, stellvertretender Leiter des Arbeitsinspektorats, war auf der Baustelle die Errichtung von Laubengängen geplant, wie der "ORF" berichtet. "Das heißt, es ist ein Schalungsgerüst aufzustellen. Da gibt es fünf Ebenen, wo diese Stahlbetondecken dann errichtet werden. Und diese Tragkonstruktion für die Schalungen, die ist in sich zusammengebrochen."

Mehr Kontrollen, mehr Beanstandungen

Das Arbeitsinspektorat kontrolliert jährlich tausende Baustellen in Wien – die betroffene Baustelle am Alsergrund gehörte allerdings nicht dazu. Insgesamt ist die Zahl der Überprüfungen in den vergangenen Jahren gestiegen.

2021 wurden 1.452 Baustellen kontrolliert, dabei gab es 2.522 Beanstandungen. Vier Jahre später lag die Zahl der Kontrollen bei 2.769, die Beanstandungen stiegen auf 3.571.

Häufige Sicherheitsmängel

Zu den häufigsten Verstößen zählen laut Haslinger fehlende Absturzsicherungen, etwa nicht vorhandene Dachfanggerüste. Auch Aufsichtspersonen fehlen oft. Diese hätten die Aufgabe, im Auftrag des Arbeitgebers für sichere Bedingungen auf der Baustelle zu sorgen.

Dass diese Funktion häufig nicht besetzt ist, hängt laut Haslinger mit der Struktur der Branche zusammen. Bauunternehmen vergeben Arbeiten regelmäßig an Subfirmen – etwa für Gerüstbau oder Sanierungen.

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine umfassende Sicherheitsplanung. Grundlage ist das Bauarbeitenkoordinationsgesetz. "Da gibt es dann den Baustellenkoordinator, der diese Sachen, gemeinsame Schutzeinrichtungen, dann entsprechend vorsieht in dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan." In der Praxis existiere dieser Plan jedoch oft nur auf dem Papier.

Auch Finanzpolizei kontrolliert

Neben dem Arbeitsinspektorat überprüft auch die Finanzpolizei Baustellen. Im vergangenen Jahr gab es 857 Einsätze in Wien. Dabei wurden 817 Betriebe sowie 1.677 Beschäftigte kontrolliert.

Insgesamt führten die Kontrollen zu 187 Strafanträgen – häufig wegen fehlender Versicherung oder illegaler Beschäftigung. Weitere Anzeigen betrafen Verstöße gegen Arbeitszeitregelungen und die Gewerbeordnung. Insgesamt standen 341 mutmaßlich illegal beschäftigte Personen im Fokus. Die beantragten Geldstrafen beliefen sich 2025 auf rund 610.000 Euro.

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