Können Pflanzen hören? Diese Frage beschäftigt die Forschung schon länger – vor allem seit der Entdeckung unterirdischer Netzwerke, über die Pflanzen möglicherweise Informationen austauschen. Eine neue Studie liefert nun einen überraschenden Hinweis: Samen könnten tatsächlich auf Geräusche reagieren.
Forschende des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben herausgefunden, dass Reissamen deutlich schneller keimen, wenn sie dem Geräusch von Regen ausgesetzt sind.
Für das Experiment wurden rund 8000 Reiskörner in Wasser gelegt – eine Umgebung, in der sie normalerweise keimen. Anschließend simulierten die Wissenschaftler Regen, indem sie Wasser aus verschiedenen Höhen auf die Oberfläche tropfen ließen.
Das Ergebnis: Samen, die "Regen" hörten, keimten im Schnitt 30- bis 40-mal schneller als jene ohne Geräusch.
Der Effekt klingt zunächst erstaunlich – hat aber eine physikalische Erklärung.
Unter Wasser erzeugen Regentropfen besonders starke Druckwellen. Diese können laut den Forschern so intensiv sein, dass sie für ein Samenkorn in der Nähe vergleichbar mit dem Lärm eines Flugzeugtriebwerks sind.
Samen können nicht nur Licht wahrnehmen, sondern auch Bewegungen und Schwerkraft. Dafür sind sogenannte Statolithen verantwortlich – winzige Zellstrukturen, die auf Erschütterungen reagieren.
Die Vermutung: Die starken Schallwellen des Regens setzen diese Strukturen in Bewegung und stoßen so den Keimprozess an.
Modellrechnungen bestätigten: Die Geräusche sind tatsächlich stark genug, um ähnliche Effekte wie die Schwerkraft auszulösen.
Auch wenn das Ergebnis spektakulär klingt, sprechen die Forscher nicht von "intelligenten" Pflanzen im klassischen Sinn. Vielmehr könnte es sich um einen natürlichen Überlebensmechanismus handeln: Samen reagieren auf Regen, weil er gute Bedingungen zum Keimen signalisiert.
Das Forschungsteam vermutet, dass dieser Effekt nicht nur bei Reis auftritt. Möglicherweise können auch andere Pflanzenarten Geräusche wahrnehmen – und darauf reagieren.
Also: Auch wenn von "Hören" im menschlichen Sinn keine Rede ist, eröffnet die Forschung neue Einblicke in die erstaunlichen Fähigkeiten der Pflanzenwelt.