Brigitte Hütter im ORF

Uni-Chefin erstaunt mit Spar-Kritik selbst Armin Wolf

Österreichs Unis warnen vor drastischen Kürzungen. Laut Rektoren drohen Jobabbau, längere Studienzeiten und massive Folgen für Forschung und Medizin.
Newsdesk Heute
20.05.2026, 22:29
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Österreichs Universitäten schlagen wegen geplanter Budgetkürzungen Alarm. Wie mehrere Rektoren am Mittwoch erklärten, wolle die Regierung das Uni-Budget für die Jahre 2028 bis 2030 von 16,5 auf 15,5 Milliarden Euro senken. Laut Universitätenkonferenz (Uniko) würden den Hochschulen damit insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro fehlen. Uniko-Präsidentin Brigitte Hütter sprach von einem "Super-GAU" und einer in diesem Ausmaß "beispiellosen" Kürzung. Die Rektoren warnen vor massiven Folgen für Forschung, Lehre und den Wirtschaftsstandort.

Sollte es bei den Einsparungen bleiben, müssten laut Sebastian Schütze, Rektor der Uni Wien, rund 20 Prozent der Stellen an den Universitäten gestrichen werden. Dadurch drohten ein großer Reputationsverlust, längere Studienzeiten und Probleme bei der Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte. Auch allgemeine Studiengebühren könnten dann wieder zum Thema werden. Besonders dramatisch seien die Auswirkungen laut Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, im Medizinbereich.

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"Kollaps" der medizinischen Versorgung drohe

Die Universitätskliniken in Wien, Graz, Innsbruck und Linz seien zentrale Säulen des Gesundheitssystems und würden einen Großteil der Fachärzte ausbilden. Müller warnte deshalb sogar vor einem möglichen "Kollaps" der medizinischen Versorgung, falls die Budgetpläne umgesetzt werden. Die Universitäten kündigten bereits Widerstand an. Für den 27. Mai ist eine Großdemonstration in Wien geplant. Zudem steigen die Hochschulen per sofort aus dem Hochschulstrategieprozess des Wissenschaftsministeriums aus.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) erklärte indes, sie wolle bis zuletzt versuchen, für die Universitäten noch zusätzliche Mittel zu sichern. Beruhigt zeigte sich Uniko-Präsidentin Brigitte Hütter am späten Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf allerdings nicht. "Uns wurde anderes vermittelt, wir sind ja nicht in den Budgetverhandlungsprozess eingebunden gewesen", so Hütter zur Frage, ob sie nicht voreilig drastisch Alarm schlage, bevor die Kürzungen überhaupt beschlossen sind.

Uni-Chefin ließ Ministerin-Bombe platzen

Die Wissenschaftsministerin habe ihr zu verstehen gegeben, dass die angesprochenen Milliarden fix seien und dass es keinen Spielraum mehr gebe. Auch wolle sich Holzleitner für die Unis einsetzen, sehe aber "wenig Möglichkeit, das noch zu ändern", schilderte die Uni-Chefin: "Es ist unsere Verantwortung, auf so eine Aussage nach langem Schweigen auch zu reagieren." Man hoffe auf Änderungen. "Ich konnte mir es auch nicht vorstellen, aber so war es, vor Zeugen", so Hütter dazu, was ihr von der Regierung mitgeteilt worden sei.

"Wissenschaft und Forschung sind keine Schwerpunkte dieser Bundesregierung", soll es da geheißen haben – obwohl genau dies im Regierungsübereinkommen festgehalten sei. Absolut brisant: Gefallen sei der Satz von der Wissenschaftsministerin, so die Uni-Chefin! Zuvor hatte ORF-Moderator Wolf noch erklärt, er könne sich "das schwer vorstellen, dass das jemand von der Regierung sagt" – nun soll die Aussage, Wissenschaft habe keine Priorität, auch noch ausgerechnet von der Wissenschafts-Ministerin gekommen sein.

"An den Universitäten die Hörsäle nicht mehr geheizt"

"Glauben Sie uns, wir wollen keine Horror-Szenarien an die Wand malen", so Hütter dazu, ob man mit Aussagen wie dem drohenden Kollaps im Gesundheitssystem nicht nur Menschen Angst mache. Wenn man zurückblicke, habe man bei hoher Inflation bereits solche Probleme gehabt, "dass wir an den Universitäten die Hörsäle nicht mehr geheizt haben, bei 18 Grad unterrichtet haben, weil wir es uns anders nicht mehr haben finanzieren können". Komme der aktuell kursierende Sparplan, gehe es "um ein Viertel des Personalbudgets".

Warum würde es jetzt längere Studienzeiten bedeuten, wenn die Sparpläne 2028 umgesetzt würden, fragte Wolf nach. Wenn das komme, dann müsse man sofort Personalmaßnahmen setzen, so Hütter. 20 Prozent des Personals würden sicherlich abzubauen sein, so die Uni-Chefin: "Das ist ein Szenario, das will ich mir noch gar nicht ausmalen. Es geht dann um Kündigungen, es geht aber natürlich auch um Nicht-Nachbesetzungen" und Menschen, die keine Karrieremöglichkeiten mehr hätten. "Das ist nicht eine leere Drohung."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 20.05.2026, 22:32, 20.05.2026, 22:29
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