Protest-Demo am 27. Mai

Unis warnen: "Müssen jeden fünften Job streichen"

Regierung will Unis das Budget um 1 Milliarde kürzen. Bleibt es dabei, drohe auch ein Kollaps der medizinischen Versorgung, sagt MedUni-Rektor Müller.
Angela Sellner
20.05.2026, 19:31
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Österreichs Uni-Rektoren schlagen Alarm. Sie wurden informiert, dass die Regierung den Universitäten das Budget für die kommende Drei-Jahresperiode (2028 bis 2030)von 16,5 auf 15,5 Milliarden Euro kürzt – "Heute" berichtete ausführlich.

Brauchen würden sie 18 Milliarden Euro, um die Kostensteigerungen abzufedern. Die Vorsitzenden der Universitätenkonferenz (uniko) erklärten am Mittwoch in einer Pressekonferenz, was nun droht:

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Super-GAU"

Es würden über die gesamte Periode 2,5 Milliarden Euro fehlen, rund 800 Millionen pro Jahr. Das sei eine Kürzung von rund 14 Prozent – "beispiellos in der Dimension, ein Super-GAU", so uniko-Präsidentin Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität Linz.

Dass ein Sparbeitrag von allen erwartet werde und zu leisten sei, stehe außer Frage. Mit Gehaltsabschlüssen unter der Inflation hätten die Unis das unter Beweis gestellt. Kürzungen im jetzt geplanten Ausmaß wären jedoch eine Katastrophe für die heimische Forschungslandschaft und Österreich als Wirtschaftsstandort.

Uni-Chefs wehren sich: Jens Schneider (TU Wien), Brigitte Hütter (Kunstuni Linz), Markus Müller (MedUni Wien), Sebastian Schütze (Uni Wien)
uniko

"Offenbarungseid des Staates"

Forschung sei kein Schwerpunkt der Regierung – "das hat man uns mitgeteilt", sind die Rektoren entsetzt. Ein "Offenbarungseid des Staates" sei diese Haltung. Österreichs Wettbewerbsfähigkeit sei damit angezählt.

Bleibe es bei den angekündigten Kürzungen, müsste ein Fünftel der Stellen an den Universitäten eingespart werden. "Wir reden nicht über Kosmetik, sondern da geht es ans Eingemachte", sagt Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien. 20 Prozent Personalabbau würden auch einen "gigantischen Reputationsverlust" bedeuten, in Jahren nicht zu reparieren.

"Über Studiengebühren nachdenken"

Die Qualität der Ausbildung würde leiden, die Studienzeiten länger – was auch für den Arbeitsmarkt, Stichwort Fachkräftemangel, desaströs sei.

Und: Man müsse dann an über allgemeine Studiengebühren nachdenken. "Wir wollen das nicht, aber es wird uns nichts anderes übrig bleiben."

Medizin-Kollaps

MedUni-Wien-Rektor Markus Müller spricht von "dramatischen Auswirkungen" für die Medizin. Die vier Unikliniken in Wien, Graz, Linz und Innsbruck seien das Rückgrat des Gesundheitssystems – und in vielen Fällen die einzige und letzte Anlaufstelle für schwere und spezielle Erkrankungen.

Darüber hinaus wird ein Großteil der österreichischen Fachärzte an den Unikliniken ausgebildet. Mit den Kürzungen drohe ein Kollaps, nimmt sich Müller kein Blatt vor den Mund.

Protest

Einfach hinnehmen werden die Uni-Chefs die Situation nicht. "Wir wehren uns", kündigen sie für  den 27. Mai eine Großdemonstration in Wien an. Aus Protest steigen sie zudem mit sofortiger Wirkung aus dem Hochschulstrategieprozess des Wissenschaftsministeriums aus: "Angesichts dieser Kürzungen sprechen wir doch nicht über Weiterentwicklungen!"

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) erklärt auf "Heute"-Anfrage, sie kämpfe bis zur letzten Sekunde, um für die Universitäten noch etwas herauszuholen.

{title && {title} } sea, {title && {title} } 20.05.2026, 19:31
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