Die Bilder sind erschreckend. In Nordirland ist es nach einem schweren Messerangriff in Belfast in der Nacht erneut zu Unruhen gekommen. Vor allem im Stadtteil Glengormley lieferten sich schwarz gekleidete, maskierte Gruppen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Mehrere Fahrzeuge, darunter auch ein Linienbus, sowie ein Haus wurden in Brand gesteckt.
Die Polizei griff zu Wasserwerfern, um die aufgebrachte Menschenmenge auseinanderzutreiben. Es flogen Flaschen, Steine und Holzstücke, auch mit Brandsätzen wurde auf die Einsatzkräfte gezielt. Mindestens zwölf Polizisten wurden dabei verletzt. Die Ausschreitungen dauerten bis in die frühen Morgenstunden an, weitere Beamte wurden angefordert.
Laut Behörden wurden insgesamt 27 Menschen obdachlos, nachdem gezielt die Häuser von ausländischen Staatsangehörigen angegriffen wurden. Auch ein zwei Monate altes Baby musste während der Gewalt in Sicherheit gebracht werden. Die Polizei veröffentlichte Bilder von Verdächtigen und ersucht die Bevölkerung um Mithilfe bei deren Identifizierung.
Die Familie des Messeropfers Stephen Ogilvie, der bei dem Angriff schwere Verletzungen erlitt und ein Auge verlor, appellierte an die Öffentlichkeit, Ruhe zu bewahren: "Wir wollen klarstellen, dass nächtliche Unruhen nicht willkommen sind und friedlicher Protest der einzige Weg ist." Auch Nordirlands stellvertretende Regierungschefin Emma Little-Pengelly verurteilte die Ausschreitungen scharf: "All das zerstört nur die eigenen Gemeinschaften."
Das Opfer des Messerangriffs, Stephen Ogilvie, befindet sich laut Familie in stabilem Zustand. Der mutmaßliche Angreifer, ein 30-jähriger Sudanese, wurde inzwischen festgenommen und wegen versuchten Mordes angeklagt. Politiker wie der britische Nordirland-Minister Hilary Benn betonten, dass die Tat eines Einzelnen nicht gegen ganze Bevölkerungsgruppen gerichtet werden dürfe.
Politiker und Polizei warnten vor der Rolle sozialer Netzwerke: Anstachelnde Beiträge und das Teilen von Adressen hätten die Gewalt befeuert. Hilary Benn kritisierte, dass Plattformbetreiber mehr Verantwortung übernehmen müssten. Die Polizei kündigte an, gegen gezielte Hetze und das Verbreiten privater Daten vorzugehen.
Besonders betroffen von den Angriffen waren laut Angaben von Sozialorganisationen und Pflegeanbietern zahlreiche Migranten, darunter viele Pflegekräfte. Einige wurden aus Angst vor Übergriffen aus ihren Wohnungen geholt oder konnten ihre Arbeitsdienste nicht antreten. Gewerkschaften berichten, dass Pflegepersonal auf dem Weg zur Arbeit eingeschüchtert oder sogar verfolgt wurde.