Ganze Orte verwüstet

Unwetter-Chaos: 700 Floriani im Wettlauf gegen die Zeit

Im Pinzgau und Pongau gab es einige Schäden durch die Unwetter am Donnerstag – doch die Region kam noch mit einem "blauen Auge" davon.
Newsdesk Heute
07.08.2026, 14:58
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Vor allem der Salzburger Pinzgau und Pongau wurden am Donnerstagabend einmal mehr von schweren Unwettern heimgesucht. Die Videos verbreiteten sich in Windeseile: Braune Wassermassen schossen durch Tobersbach, einen Ortsteil von Uttendorf, mehrere Brücken wurden weggerissen.

Kein Einzelschicksal: Auch im nahen Zillertal und im Gasteinertal gibt es schwere Schäden durch über die Ufer tretende Bäche. In Stuhlfelden hat der Pirtendorferbach fünf Brücken zerstört und das Schutzbauwerk mit 8.000 Kubikmetern Geröll gefüllt. "Zu 13 Objekten ist derzeit keine Zufahrt möglich", berichtet Stefan Herbst, Katastrophenschutzreferent der BH.

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Die Feuerwehr stehe mit einem Kat-Zug mit mehr als 100 Leuten im Einsatz. In Bad Gastein haben die Sperren gar 25.000 Kubikmeter aufgenommen, trotzdem wurde eine Straße verlegt. In Thomatal wurde ebenfalls die Landesstraße verlegt.

Wettlauf gegen die Zeit

Für die Einsatzkräfte wird es jetzt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn in den nächsten Tagen stehen abermals Gewitter mit Starkregen an. Insgesamt vier Sperren der Wildbach- und Lawinenverbauung müssen nun so rasch wie möglich zumindest teilweise geräumt werden.

Am Abend und in der Nacht standen 675 Einsatzkräfte von 32 Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Insgesamt wurden 98 Einsatzstellen bearbeitet. Im Pinzgau waren die Kräfte in elf Gemeinden im Einsatz, im Flachgau in zehn Orten, im Pongau in sieben, im Tennengau und Lungau in einer. Ebenfalls im Einsatz waren die Freiwillige Feuerwehr in der Stadt Salzburg sowie die Berufsfeuerwehr.

Im Pinzgau wird derzeit in Uttendorf, am Manlitzbach, im Schwarzachergraben, in Stuhlfelden und im Krimmler Achental gearbeitet. Weitere Soforteinsätze laufen im Pongau am Kötschachbach in Gastein sowie im Zechnergraben in Dorfgastein. Im Lungau werden Straßen in Thomatal freigemacht und eine Sperre in Zederhaus geräumt. Sperrenräumungen führt derzeit auch die ASFINAG durch. An der A10 Tauernautobahn im Lungau wurden drei Wildbachsperren bei den gestrigen Unwettern völlig angefüllt.

"Wäre zu einer Katastrophe gekommen"

Der Bürgermeister von Uttendorf, Hannes Lerchbaumer, schildert die Lage vor Ort: "Die gute Nachricht ist, dass es keine Personenschäden gibt. Die Verbauungen haben sich absolut bewährt, sie sind bis zum Rand voll. Ohne diese Schutzbauten wären wir in eine Katastrophe hineingeschlittert. Gestern Abend waren rund 95 Einsatzkräfte im Einsatz, derzeit sind es rund 30. Im Ort herrscht eine große Nachbarschaftshilfe, man unterstützt sich gegenseitig."

Gebhard Neumayr, Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, kann sich dem nur anschließen: "Die bestehenden Verbauungen und Sperren haben in der vergangenen Nacht definitiv Schlimmeres verhindert und sich im Ernstfall bewährt. Ohne die Verbauungen wäre es etwa in Uttendorf zu einer Katastrophe gekommen. Aber die Bauwerke beim Manlitzbach oder auch beim Uttendorfbach – dieses wurde vor zwei Monaten fertiggestellt – haben ihre Funktion vollends erfüllt."

Das Problem: Gletscher als Barriere fehlt

Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst hat sich bereits um 7 Uhr mittels Hubschrauber einen Eindruck der Lage im Gasteinertal gemacht. "Die gute Nachricht ist, dass es ein isoliertes Ereignis war. Es gibt so gut wie keine Schäden, bis auf die Mure im Kötschachtal. Diese hatte es jedoch in sich. Nach Abgängen in den Jahren 2017 und 2023 hat sie gestern wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Die Ursache ist eine eindeutige Auswirkung des Klimawandels."

Beim Tischlerkar-Kees gab es ursprünglich einen Gletscher, der die Niederschläge ähnlich einem Schwamm zurückgehalten hat. "Das Eis ist in den vergangenen 20 Jahren jedoch bis auf einen kleinen Rest abgeschmolzen. Übrig geblieben sind polierte Felsoberflächen, die kein Wasser mehr aufnehmen können. Der Niederschlag rinnt jetzt eins zu eins ins Tal ab und nimmt dabei Geröll und Schutt mit. Ich fürchte, dass uns dieser Bereich auch in der Zukunft Probleme bereiten wird. Die vorhandenen Schutzverbauungen haben gestern ein Unglück verhindert. Ohne diese wären die Folgen der Mure katastrophal gewesen und hätten bis in den Bad Gasteiner Ortsteil Remsach gereicht", berichtet Gerald Valentin.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.08.2026, 14:58