Frauen aufgepasst! Was auf dem Oktoberfest passiert, bleibt nicht auf dem Oktoberfest. Eine Untersuchung hat ergeben, dass allein auf Facebook und Instagram über 32.000 Aufnahmen kursieren, in denen Frauen unters Dirndl gefilmt wurde. Tausende weitere Videos finden sich auf YouTube und TikTok.
Auf die gewaltige Menge stieß Benjamin Shultz, Doktorand für digitale Innovation an der Hochschule Neu-Ulm, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet. Zahlreiche Accounts veröffentlichen demnach fast ausschließlich Aufnahmen vom Teufelsrad. Manche haben mehr als 100.000 Follower, werben mit kostenpflichtigen Abos oder verbreiten Phishing-Links. Ein besonders explizites Video wurde auf einem einzigen Facebook-Account mehrfach hochgeladen und insgesamt rund 2,7 Millionen Mal abgespielt.
Viele Profile geben sich etwa als Autoteilehändler, Sportverein oder "Gaming-Creator" aus. Teilweise werden KI-generierte Bilder von Frauen im Dirndl als Profilbilder verwendet. Die meisten untersuchten Accounts geben ihren Sitz in asiatischen Ländern wie Vietnam oder Kambodscha an, einige in den USA. Wer tatsächlich dahintersteckt und woher die Aufnahmen stammen, ist unklar.
Nachdem die Plattformen mit den Ergebnissen konfrontiert worden waren, verschwanden zahlreiche Accounts. Das Problem blieb jedoch: Wenige Wochen später waren wieder Dutzende Profile mit entsprechenden Inhalten zu finden, einige davon weiterhin monetarisiert. Viele ältere Videos werden offenbar immer wieder kopiert und neu hochgeladen.
In Deutschland ist die "Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen" nach Paragraf 184k Strafgesetzbuch strafbar. Es drohen eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft. In der Praxis ist die Verfolgung allerdings schwierig. Ein Münchner Strafrechtler verweist gegenüber der "SZ" darauf, dass bei Aufnahmen größerer Menschengruppen nicht immer eindeutig nachweisbar sei, dass gezielt der Intimbereich gefilmt wurde. Zudem müssen Betroffene in der Regel selbst aktiv werden.
Beim Teufelsrad versucht Betreiberin Elisabeth Polaczy gegenzusteuern. Frauen, die sich auf der Drehscheibe ungeschützt fühlen, bekommen kostenlos Radlerhosen. Am Ticketschalter wird zudem darauf hingewiesen, dass unerlaubtes Filmen und Hochladen verboten ist. Das Personal wurde zu erhöhter Wachsamkeit angehalten.
Auch die Polizei rät Betroffenen, sofort auf sich aufmerksam zu machen, Hilfe zu rufen, sich Tätermerkmale einzuprägen und Anzeige zu erstatten. Frauen und Mädchen in Notsituationen können sich auf der Wiesn zudem an den Safe Space der Aktion "Sichere Wiesn" in der Matthias-Pschorr-Straße 4 wenden.