Ein schweres Zug-Unglück erschüttert Spanien! Am Mittwochvormittag krachten zwei Züge in der Provinz Toledo, rund 150 Kilometer südlich von Madrid zusammen. In beiden Zügen befanden sich 544 Menschen, mindestens 68 davon starben. Weitere 80 Personen wurden verletzt – 50 schwer.
Der tödliche Crash soll sich gegen 9 Uhr ereignet haben. Dem Bahnbetreiber ADIF zufolge dürfte ein Zug auf den anderen aufgefahren sein, wodurch zwei Waggons entgleisten. Laut "El País" stürzten sie eine Böschung hinunter. Videos von der Katastrophe gingen um die Welt.
Nun hat sich die spanische Regierung mit einer ersten Erklärung zum Ablauf der Tragödie geäußert. Demnach gehe man von menschlichem Versagen aus. Ersten Erkenntnissen zufolge soll das automatische Sicherheitssystem in der Region Kastilien-La Mancha ausgefallen sein.
Laut Verkehrsminister Óscar Puente seien die Hochgeschwindigkeitszüge daher gestoppt worden. Erst nach der Aktivierung des manuellen Kontrollsystems sei es den Zügen erlaubt gewesen weiterzufahren.
Wie die "Bild" berichtet, seien die beiden Züge etwa 25 Kilometer voneinander entfernt gewesen, als einer dann plötzlich erneut stoppte. Der andere Zug setzte seine Fahrt hingegen fort. Warum der Iryo-Zug stehen blieb, ist unklar. Jedenfalls hätte der Renfe-Zug daraufhin nicht mehr mit normaler Geschwindigkeit fahren dürfen.
Eine entsprechende Nachricht aus dem Kontrollzentrum des Schienennetzbetreibers Adif in Madrid habe es allerdings nicht gegeben – im Gegenteil. Der Mitarbeiter habe die Weiterfahrt mit normaler Geschwindigkeit angeordnet. Eigentlich hätte der Zug nicht schneller als 40 km/h sein dürfen.
Somit krachte der Renfe-Zug in den stehenden Iryo-Zug. Unklar bleibt, warum der Mitarbeiter im Kontrollzentrum die Weiterfahrt bei normaler Geschwindigkeit anordnete. Die Entscheidung sei für den Verkehrsminister jedenfalls "unerklärlich".
Als Konsequenz wurden die Bahnverbindungen zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien eingestellt. Noch während des Einsatzes rief das Transfusionszentrum Madrid dringend zu Blutspenden auf. Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich erschüttert und sprach den Betroffenen sowie ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.
Wie schlimm der Crash für die Passagiere war, kann man aus Augenzeugenberichten erfahren. Jesús Jerónimo (54) arbeitete zum Zeitpunkt des Unglücks an seinem Laptop. Plötzlich habe er eine starke Beschleunigung gespürt.
In weiterer Folge sei der Mann auf den Sitz vor ihm geprallt. Die Menschen seien "hinausgeschleudert" worden. "Wir dachten, wir seien entgleist", erzählte er gegenüber "El País". Erst später bemerkte er, dass der Zug umgekippt war.