Tödliches Unglück in Spanien

"Menschen flogen durch den Zug" – Zeugen berichten

Schreie, Verletzte, Chaos: Überlebende des Zugunglücks in Spanien schildern dramatische Szenen. Eine Frau erinnert sich nur noch an den Aufprall.
28.10.2026, 12:45
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Schreie, umhergeschleuderte Passagiere und schwer verletzte Menschen zwischen den Gleisen: Nach dem verheerenden Zugunglück in Spanien schildern Überlebende die dramatischen Minuten nach der Kollision. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge waren am Mittwochvormittag (28. Oktober) nahe Toledo zusammengestoßen.

Besonders erschütternd ist der Bericht von Cristina Cuerva. Sie saß im zweiten Waggon des verunglückten AVE-Zuges und erinnert sich nur bruchstückhaft an den Moment des Zusammenstoßes.

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"Dann wurde ich über den Boden geschleudert"

Im Gespräch mit dem spanischen Radiosender Canal Sur schildert Cuerva, dass der Zug bereits vor dem Unglück mehrfach angehalten hatte. "Es gab mehrere Stopps wegen des aufgestauten Zugverkehrs", berichtet die Passagierin. Dann habe es plötzlich eine heftige Bremsung gegeben. "Danach erinnere ich mich nur noch daran, wie ich über den Boden geschleudert wurde."

Was in den Sekunden unmittelbar danach geschah, kann sie nicht mehr genau rekonstruieren. Als sie wieder einen Überblick über die Situation bekam, waren zahlreiche Menschen verletzt. Einige befanden sich noch in den Zügen, andere lagen oder standen bereits im Bereich der Gleise.

"Die Rettungskräfte tun, was sie können", sagt Cuerva. Nach ihren Beobachtungen trafen zunächst Beamte der Guardia Civil ein. Danach kamen immer mehr Krankenwagen, Hubschrauber und medizinische Einsatzkräfte hinzu. Sie berichtet von zahlreichen Verletzten, darunter auch Menschen mit schweren Verletzungen.

"Die Reisenden wurden durch die Luft geschleudert"

Ein Journalist der spanischen Zeitung "El País", der selbst in einem der verunglückten Züge unterwegs war, beschreibt die ersten Augenblicke nach dem Zusammenstoß:

Besonders heftig waren die Auswirkungen offenbar im Bordcafé. Dort seien Reisende durch den Waggon geschleudert worden. Menschen stürzten übereinander, einige erlitten Kopfverletzungen, eine Person brach sich den Arm.

Nach dem Verlassen des Zuges verteilten sich die Überlebenden auf dem umliegenden Gelände. Manche setzten sich mitten auf ein Feld und versuchten, Angehörige telefonisch zu erreichen.

"Ich bin gegen den Vordersitz geprallt"

Auch Jesús Jerónimo (54), ein medizinischer Berater, war im zweiten Waggon des AVE auf dem Weg nach Sevilla. Er arbeitete gerade an seinem Laptop, als sich die Katastrophe ereignete. "Ich habe einen extrem heftigen Ruck gespürt und bin gegen den Vordersitz geprallt", schildert er.

Andere Passagiere seien durch den Wagen geschleudert worden. Zunächst habe er geglaubt, sein Zug sei entgleist. Als die Reisenden allmählich ausstiegen, bemerkten sie, dass der Zug schräg stand. "Es gab viele Verletzte und nervöse Menschen", berichtet Jerónimo. Er habe verstreute Papiere auf dem Boden gesehen, aber auch ein Kind, dem es offenbar gut ging.

Der 54-Jährige begann anschließend, den Rettungskräften zu helfen. Unter anderem hielten Überlebende Infusionsbeutel mit den Händen hoch, während Verletzte versorgt wurden.

"Die Menschen wollten durch die Fenster raus"

Zu den ersten Helfern gehörte auch David Gómez. Der Bauarbeiter war mit Kollegen auf einem nahe gelegenen Grundstück beschäftigt, als sie den Zusammenstoß hörten. "Wir haben den Knall gehört und sind hergekommen", schildert er.

Als die Männer die Unfallstelle erreichten, sahen sie zwei Waggons außerhalb der Gleise. "Die Menschen versuchten, durch die Fenster hinauszukommen", berichtet Gómez. Um besser zu den Betroffenen gelangen zu können, schnitten die Arbeiter Zäune auf. Anschließend versorgten sie Verletzte mit dem Erste-Hilfe-Material, das sie bei sich hatten.

Dabei wurde Gómez auch mit besonders schweren Verletzungen konfrontiert. Der Anblick habe ihn erschüttert, schildert der Ersthelfer.

Rettungskräfte kämpfen um Verletzte

Der Zusammenstoß ereignete sich gegen 8.54 Uhr im Bereich von Urda in der Provinz Toledo. Beteiligt waren ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe und ein Zug des privaten Anbieters Iryo. Mindestens zwei Waggons kamen von den Gleisen ab und stürzten einen Abhang hinunter.

Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei rückten mit einem Großaufgebot an. Während Verletzte versorgt und Passagiere aus den Zügen gebracht wurden, begannen die Einsatzkräfte mit der Suche nach weiteren Opfern.

Spanische Behörden meldeten im Laufe des Vormittags zahlreiche Todesopfer, mindestens 30 sind bestätigt. Die endgültige Zahl der Toten und Verletzten war während der laufenden Bergungsarbeiten noch unklar. Die Ursache der Kollision wird untersucht.

red, 28.10.2026, 14:05
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