Ursula Strauss bekommt in "Tiroler Blut" einen neuen Krimi-Fall – und eine Ermittlerin, die genau weiß, wo es langgeht. Im Gespräch erzählt die Schauspielerin, warum starke Frauen noch immer anecken und was sie an ihrer neuen Rolle besonders mag.
Drei Generationen, eine Polizistenfamilie und jede Menge Konfliktpotenzial: Mit "Tiroler Blut" startet am 5. Oktober eine neue ORF-Degeto-Krimireihe. Im Mittelpunkt steht Ursula Strauss als Innsbrucker Chefinspektorin Fanny Gruber.
Die erfolgreiche Ermittlerin lebt mit ihrem Vater Hannes (Sven-Eric Bechtolf), selbst ehemaliger Polizist, und ihrem Sohn Tobi (Noah L. Perktold), der gerade bei der Polizei durchstartet, unter einem Dach. Beruf und Familie lassen sich da nur schwer voneinander trennen.
Strauss mag an ihrer Figur vor allem deren Menschlichkeit: "Fanny hat einen starken Gerechtigkeits- und Familiensinn." Gleichzeitig sei sie ehrgeizig, getrieben und stehe ständig unter Strom. Zum Runterkommen greift die Ermittlerin sogar zum Aromastift.
Dass eine Frau in einer Führungsposition schnell als "herrisch" wahrgenommen wird, sieht Strauss kritisch. "Herrisch ist Fanny überhaupt nicht. Wenn, dann ist sie frauisch", sagt sie lachend.
Und wird dann deutlich: "Wenn eine Frau den Ton angibt, dann gilt sie sofort als herrisch oder bissig, gar unsympathisch. Dabei machen die Frauen nichts anderes als Männer, nämlich sagen, wo es langgeht." Fanny jedenfalls weiß, wo es langgeht. "Sie ist sehr direkt und geht keine Umwege", beschreibt Strauss ihre Rolle.
Genau das wird schon im ersten Fall zum Problem. Fannys Sohn Tobi gerät bei seinem ersten eigenverantwortlichen Einsatz in eine gefährliche Situation. Ein Schuss fällt, ein Familienvater wird lebensgefährlich verletzt. Plötzlich steht die Frage im Raum: Hat der junge Polizist zu schnell abgedrückt?
Fanny glaubt, dass mehr dahintersteckt, und beginnt trotz ausdrücklicher Anweisung auf eigene Faust zu ermitteln. Damit setzt sie nicht nur ihre Karriere aufs Spiel.
Während Fanny selbst in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahren muss, schätzt Strauss ihre eigenen Fähigkeiten als Ermittlerin deutlich nüchterner ein. Würde sie privat etwa mit einem Entführungsfall konfrontiert, wäre für sie klar, professionelle Hilfe zu holen.
"Ich glaube, ich wäre im ersten Moment ziemlich handlungsunfähig", gibt sie zu. Zwar sei sie "ziemlich gut darin, so zu tun, als ob ich alles unter Kontrolle hätte", doch in einer solchen Situation würde sie sich jemandem anvertrauen, der nicht emotional verwickelt ist. "Ich würde mich in jedem Fall an die Polizei wenden."
Das hat auch mit ihrem grundsätzlichen Vertrauen in die Institutionen zu tun: "In unser Justizsystem habe ich schon so weit Vertrauen. Ich hoffe, das bleibt auch so." Besonders schätze sie Menschen, die sich beruflich in den Dienst der Gesellschaft stellen. "Ich finde es hochehrenwert, wenn man einen Beruf erwählt, der der Gesellschaft dient."
Und wie lässt sich "Tiroler Blut" am besten zusammenfassen? Strauss muss nicht lange überlegen: "Hochemotional, natürlich und spannend."
"Tiroler Blut – Der erste Schuss" läuft am 5. Oktober um 20.15 Uhr in ORF 1 und bereits 24 Stunden zuvor auf ORF ON. Der zweite Film "Am Abgrund" folgt am 12. Oktober.