Die USA und Taiwan haben am Donnerstag ein Abkommen unterschrieben, das für den Inselstaat niedrigere US-Zölle und für die Amerikaner höhere Ausgaben von Taiwan in den Vereinigten Staaten bringt. Damit wurde eine Mitte Jänner erzielte Handelseinigung offiziell gemacht. Die USA senken ihre Zölle auf taiwanische Waren von 20 auf 15 Prozent, im Gegenzug will Taiwan auf längere Sicht mehr US-Produkte kaufen.
Laut dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer baut der Handelspakt auf den langjährigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Taiwan auf und wird "die Widerstandsfähigkeit unserer Lieferketten erheblich verbessern, vor allem im Hochtechnologiesektor".
Der taiwanische Vize-Regierungschef Cheng Li-chiun sagte, das Abkommen schaffe für Taiwan ein "faires Fundament für den Wettbewerb mit unseren Rivalen". Das Abkommen muss aber noch vom taiwanischen Parlament abgesegnet werden.
Laut einer Übersicht aus Greers Büro dürfen US-Zölle auf Produkte aus Taiwan künftig höchstens 15 Prozent betragen – auch für Waren, die normalerweise unter Sektorzölle fallen würden. Manche taiwanische Produkte dürfen nach einem bestimmten Kontingent sogar ganz ohne Aufschlag in die USA geliefert werden.
Taiwan verpflichtet sich im Gegenzug dazu, "99 Prozent" der Zollschranken für US-Produkte "abzuschaffen oder zu verringern". Das Land will außerdem Handelsbarrieren für Bereiche wie Autos, Medikamente oder medizinische Geräte abbauen und die US-Standards in diesen drei Sektoren anerkennen. Zusätzlich soll Taiwan mehr US-Waren einkaufen: Flüssigerdgas und Rohöl im Wert von 44 Milliarden Dollar (rund 37 Milliarden Euro) sowie Stromnetzausrüstung im Wert von 25 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro).
Taiwan zählt zu den wichtigsten Herstellern von Halbleiterchips weltweit, die auch für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz eine große Rolle spielen. Die USA wollen erreichen, dass diese Technologie vermehrt im eigenen Land produziert wird.
Bereits im April haben Taipeh und Washington mit den Verhandlungen über das Handelsabkommen begonnen. Grund dafür waren Zölle von 32 Prozent, die US-Präsident Donald Trump auf taiwanische Importe eingeführt hatte – diese wurden später auf 20 Prozent gesenkt. Der taiwanische Präsident Lai Ching-te versprach daraufhin, die Investitionen in den USA zu erhöhen und die Verteidigungsausgaben Taiwans zu steigern.
Im Jahr 2024 lag Taiwans Handelsüberschuss mit den USA bei knapp 74 Milliarden Dollar (aktuell rund 65,1 Milliarden Euro) und war damit weltweit der siebthöchste. Die Insel liefert vor allem Informations- und Technologieprodukte in die Vereinigten Staaten.