Um seine Abhängigkeit von den USA und den Launen des US-Präsidenten zu verringern war Kanadas Premier Carney Mitte Jänner in Peking, um ein neues Handelsabkommen anzupeilen. In den Augen Trumps eine Provokation, fährt er doch einen harten handelspolitischen Kurs gegenüber China.
Ein Handelspakt zwischen Kanada und China könnte China-Importe in die USA durch die (kanadische) Hintertür ermöglichen und somit die US-Zolldrohungen zum Teil ins Leere laufen lassen.
Nachdem Trumps bisherige Drohungen nicht zum gewünschten Ergebnis führten, eskaliert er den Konflikt nun in bewährter Manier: Sollte Kanada das geplante Handelsabkommen mit China nicht sofort auf Eis legen, dann wird die neue, milliardenteure Brücke zwischen den USA und Kanada nicht eröffnet, so Trump. Um die Maßnahme seinen Wählern verständlich zu machen bemüht er die Mär von Kanada als Trittbrettfahrer, der die USA ausnutzen würde, ohne etwas zurückzugeben:
„Ich werde nicht zulassen, dass diese Brücke eröffnet wird, bevor die USA nicht vollständig für alles entschädigt wurden, was wir ihnen (Kanada) gegeben haben (...) und Kanada die USA mit der Fairness und dem Respekt behandelt, den wir verdienen“US-Präsident TrumpTruth Social, 9. Februar 2026
Hintergrund ist, dass die Baukosten der Brücke im Ausmaß von 4,7 Milliarden Dollar fast ausschließlich von Kanada bzw. privaten Partnern finanziert wurden – weshalb auch die künftige Autobahnmaut dem kanadischen Betreiber der Brücke zugutekommen wird. In den Augen Trumps, der zwar nichts mitgezahlt hat, nun aber mitkassieren will, sei das "unfair".
Trump forderte, die USA sollten "mindestens die Hälfte" der nach dem verstorbenen kanadischen Eishockey-Spieler Gordie Howe benannten Brücke zwischen der kanadischen Provinz Ontario und dem US-Bundesstaat Michigan besitzen. Die seit 2018 in Bau befindliche Brücke soll noch heuer eröffnet werden. Dafür braucht es Genehmigungen auf beiden Seiten der Grenze, also auch aus den USA – und das ist Trumps Druckmittel.
Trump beklagte, dass Kanada beide Seiten der Brücke "besitze" und "nahezu" keine US‑Produkte für den Bau verwendet habe. Zudem wolle Kanadas Premierminister Mark Carney "einen Deal mit China machen, der Kanada auffressen wird". Die USA bekämen nur die Reste. "Ich denke nicht!", erklärte der US-Präsident und fügte hinzu: "Wir werden die Verhandlungen sofort beginnen."
Es ist Trumps jüngste in einer ganzen Reihe von Drohungen gegenüber Kanada. Trump hatte Kanada Zölle in Höhe von 100 Prozent angedroht, sollte das Land ein anvisiertes Handelsabkommen mit China abschließen.
Carney hatte Mitte Jänner bei einem Peking-Besuch eine "neue strategische Partnerschaft" mit China verkündet und eine Vereinbarung für ein Handelsabkommen bekanntgegeben. In diesem Rahmen soll Peking bis zum 1. März die Zölle auf Raps-Importe aus Kanada von derzeit 84 Prozent auf rund 15 Prozent senken. China will zudem kanadischen Besuchern die visumfreie Einreise ermöglichen. Im Gegenzug soll Kanada 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge zu neuen Vorzugszöllen von 6,1 Prozent importieren.
Die USA sind für Kanada mit Abstand der wichtigste Handelspartner. Sektorzölle der USA in den Bereichen Autos, Stahl und Aluminium treffen die kanadische Wirtschaft hart. Dennoch blieben bislang mehr als 85 Prozent des bilateralen Handels der beiden Länder von dem Handelskonflikt unberührt. Neben Zöllen drohte Trump auch immer wieder mit einer Annexion Kanadas, um das Land in den 51. Bundesstaat der USA zu verwandeln.