Am Nationalfeiertag wendete sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen traditionell an alle Österreicherinnen und Österreicher. In seiner Rede appellierte das Staatsoberhaupt an das Volk sich nicht spalten zu lassen.
"Egal, wen wir wählen. Egal, wen wir lieben. Egal, woran wir glauben. Egal, welcher Minderheit oder welcher Mehrheit wir angehören. Wir alle sind das Volk", so Van der Bellen. Der Bundespräsident glaube daran, dass man einen Weg finden könne "friedlich und respektvoll zusammenzuleben".
Dazu müsse man allerdings aufeinander zugehen und sich selbst im anderen erkennen. Es gelte "gute Kompromisse" zu finden und "nicht stur auf der eigenen Meinung" zu beharren. Gemeinsam hätten die Österreicher die "Kraft und Macht" die Zukunft für alle Menschen im Lande zu verbessern.
Der Bundespräsident betonte, dass die Zweite Republik – die er als "eine einzige Erfolgsgeschichte" bezeichnete – auf der Bereitschaft aufeinander zuzugehen aufgebaut sei. Man habe gelernt, was das Land in den Abgrund geführt habe. Nämlich der Umstand, wenn sich ein Volk spalten lasse "und unversöhnlich andere zu Feinden erklärt, verspottet, erniedrigt und verfolgt".
Diesbezüglich erinnerte Van der Bellen daran, warum der Nationalfeiertag überhaupt gefeiert wird. "Heute vor 71 Jahren beschloss der österreichische Nationalrat die immerwährende Neutralität Österreichs." Damals war der erste Tag, an dem sich keine fremden Truppen mehr auf dem Gebiet von Österreich aufhalten dürfen. Zuvor hatte das Land die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des NS-Regimes erlebt.
Das Staatsoberhaupt gab zu bedenken, dass Menschen unter der NS-Diktatur als "wertvoll" und "wertlos" eingeteilt wurden, um einen "deutschen Volkskörper" zu konstruieren. Wer dazu gehöre, bestimmte "das mörderische Regime". Dies führte zu Verfolgungen, Deportationen, Qual, Morden und dem Holocaust, an dem auch "viele Österreicher mitschuldig waren". Was der Nationalsozialismus predigte, habe allerdings "nichts mit der Wirklichkeit des Menschseins und Österreichs Geschichte und Identität zu tun".
Van der Bellen sagte, dass Österreich schon immer ein Ort der Begegnung von Menschen verschiedenster Herkunft und aus verschiedenen Ecken der ehemaligen Monarchie war. Bereits um 1900 hatte man hierzulande Deutsch, Tschechisch, Polnisch, Ruthenisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Slowenisch, Slowakisch, Ungarisch, Italienisch und Rumänisch gesprochen.
Hinzu kamen noch Romani, Jiddisch, Wienerisch und die verschiedenen Dialekte, die in Österreich gesprochen werden. Noch heute sind "Kroatisch, Slowenisch, Ungarisch und Österreichisch" die offiziellen Amtssprachen des Landes. "Das ist die Realität des Menschseins, das ist Österreich und das ist unser friedliches Europa", so Van der Bellen. Man habe stets von dem gegenseitigen Austausch der Kulturen profitiert.
Gleichzeitig appellierte der Bundespräsident daran, dass sich die Österreicher ihre Heimat nicht schlechtreden lassen sollen – auch wenn man "mit vielen neuen Themen und Veränderungen konfrontiert" sei. "Wir werden uns schon einigen" sei hier das "österreichische Erfolgsrezept".
Van der Bellen glaube weiterhin daran, dass das Fundament, auf dem dieses Land gebaut sei, "stark und tragfähig ist". Als Beispiele nannte das Staatsoberhaupt die Menschenrechte, die österreichische Bundesverfassung sowie gegenseitigen Respekt und Zusammenarbeit.