Die Debatte um ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige nimmt Fahrt auf, es gibt nun einen ersten Zeitplan für die Umsetzung. Die Regierung will Kinder künftig stärker schützen, weil Plattformen als Suchtfaktor gelten. Gerade Kurzvideos mit endlosem Scrollen stehen im Fokus - sie binden Nutzer oft stundenlang ans Handy.
Immer mehr Menschen suchen wegen problematischer Internetnutzung Hilfe: Bei pro mente Oberösterreich werden mittlerweile rund 800 Beratungen pro Jahr zu Online-Sucht gezählt. Am Neuromed Campus des Kepler Uniklinikums gibt es dafür kostenlose Angebote - sowohl für Betroffene als auch für deren Familien. Gerade bei Jugendlichen fehle oft das Bewusstsein für die eigene Abhängigkeit, weshalb auch eigene Therapiegruppen für Angehörige eingerichtet wurden, erklärt Psychotherapeut Karlheinz Staudinger.
Rückendeckung kommt nun auch aus der Praxis. Der deutsche Medienexperte Florian Buschmann von der Initiative OFFLINE HELDEN sieht im intensiven Konsum digitaler Inhalte einen zentralen Auslöser für Probleme im Alltag vieler Familien. "Immer häufiger ist exzessiver Medienkonsum der Grund oder zumindest ein wesentlicher Faktor", sagt er.
Was dabei im Körper passiert, ist vielen nicht bewusst: Schnelle Bildwechsel, Likes und Belohnungen sorgen für eine dauerhafte Ausschüttung von Dopamin und Adrenalin. Das Nervensystem bleibt im Dauerstress, echte Erholung fehlt.
Wie schnell das eskalieren kann, zeigt ein Fall aus der Praxis: Ein Jugendlicher wollte nicht mit zu einem Familienabend - die Eltern schalteten daraufhin das WLAN ab. Die Situation kippte, der Sohn schlug auf seinen Vater ein, der wiederum den Router zerstörte.
Solche Ausbrüche sind laut Experten keine Frage von schlechter Erziehung. Vielmehr reagiert ein überreiztes Nervensystem auf den plötzlichen Entzug. Der abrupte Abfall der Reize kann Wut und Aggression auslösen.
Dazu kommt ein weiterer Effekt: Viele Kinder sind es gewohnt, sich jederzeit neue Reize zu holen. Frust oder Langeweile auszuhalten fällt schwerer. Inhalte voller Konflikte und Eskalation verstärken diesen Eindruck zusätzlich.
Ein Verbot allein wird das Problem daher nicht lösen. Fachleute empfehlen klare Regeln im Alltag, bewusste Nutzung und fixe handyfreie Zeiten. Entscheidend ist auch, dass Eltern selbst vorleben, wie ein gesunder Umgang mit digitalen Medien aussieht.