Die Hoffnung auf ein Wiedersehen gibt er nicht auf: Seit Wochen wird die 25-jährige Deutsche Carolin Schmidt im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern vermisst. Während ihr Aufenthaltsort weiter ein Rätsel ist, macht sich ihr Vater selbst auf den Weg in die Berge. Er steigt auf Gipfel, auf denen sich seine Tochter aufgehalten haben könnte, und sucht nach Hinweisen.
Vergangenen Mittwoch führte ihn seine Suche auch zur Rauthhütte am Fuße der Hohen Munde in der Leutasch (Bezirk Innsbruck-Land).
Dort traf der Deutsche auf Andreas Rauth, den Seniorchef der Hütte. Der Besucher erklärte ihm, weshalb er in der Region unterwegs war.
"Er stellte sich als Vater der vermissten jungen Frau vor", berichtet Rauth gegenüber der "Kronen Zeitung". Der Mann hatte ein Suchplakat seiner Tochter dabei und fragte, ob er es in der Hütte aufhängen dürfe.
"Das war natürlich eine Selbstverständlichkeit, ihm den Gefallen zu tun", erzählt der Hüttenwirt im Gespräch mit der "Krone".
Doch bei dem Plakat sollte es nicht bleiben. Der Vater berichtete, dass er auf mehreren Bergen im Grenzgebiet nach Carolin suche. Für diesen Tag hatte er die 2.662 Meter hohe Hohe Munde ins Auge gefasst.
Dort wollte er zumindest das Gipfelbuch kontrollieren, um herauszufinden, ob sich seine Tochter möglicherweise eingetragen hatte.
Andreas Rauth versuchte allerdings, dem Vater die Hoffnung auf eine Spur am Gipfel zu nehmen. "Ich sagte ihm, dass bei der großen Zahl an Besuchern dieses Berges Carolin wohl aufgefallen wäre", erklärt er gegenüber der Tageszeitung.
Ob der Deutsche trotzdem zur Hohen Munde aufstieg, ist dem Hüttenwirt nicht bekannt. Die Begegnung mit dem verzweifelt suchenden Vater blieb ihm jedenfalls in Erinnerung.
"Der Vater machte auf mich einen gefassten Eindruck. Aber das war nur das äußere Erscheinungsbild, man weiß nicht, wie es ihm wirklich geht", erklärt der Hüttenwirt der Tageszeitung.
Am Tag nach dem Besuch des Vaters ergab sich eine weitere Gelegenheit, nach der Vermissten Ausschau zu halten.
Ein Bekannter des Hüttenwirts nahm an einem Rundflug über die Region teil. Rauth bat ihn, dabei besonders auf die Hohe Munde zu achten.
"Ich habe ihn gebeten, aus der Luft die Munde näher unter die Lupe zu nehmen. Ein Farbfleck würde wohl auffallen", heißt es in der "Krone".
Doch auch diese Suche brachte keinen Hinweis auf den Aufenthaltsort der 25-Jährigen.
Carolin Schmidt stammt aus Hessen und gilt als begeisterte Bergsportlerin. Vor ihrem Verschwinden war sie auf der Wettersteinspitze im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland unterwegs.
Zuletzt wurde die junge Frau in Garmisch gesehen. Es wird vermutet, dass sie zum Wandern in die Region gekommen war.
Auch das Gebiet zwischen Leutasch und Ehrwald kommt als möglicher Aufenthaltsort infrage. Seit dem 6. September fehlt von ihr jede Spur.
Die Vermisste ist etwa 1,75 Meter groß, sehr schlank und sportlich. Sie hat mittellange blonde Haare und blaue Augen.
Bei ihren Wanderungen trug sie zuletzt einen rot-grauen Rucksack der Marke Deuter, eine grau-rosa Fleecejacke von North Face sowie graue Trailrunningschuhe von Scarpa.
Wer Carolin gesehen hat oder Angaben zu ihrem Aufenthaltsort machen kann, wird gebeten, sich bei der Polizei in Garmisch-Partenkirchen unter der Telefonnummer +49 8821 9170 zu melden.
Für ihren Vater geht die Suche unterdessen weiter. Selbst die Gipfelbücher der Tiroler Berge könnten für ihn noch einen entscheidenden Hinweis enthalten.