Schlimmes Bild

"Verheerendes Jahr" macht Alpen-Forscher fassungslos

Der schneearme Winter und der extrem heiße Sommer haben Schweizer Gletschern heuer ordentlich zugesetzt. Fünf Prozent des Eisvolumens sind futsch.
Newsdesk Heute
01.10.2026, 23:04
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2026 war laut den neuesten Messungen des Schweizerischen Gletschermessnetzes (Glamos) ein weiteres schweres Jahr für die eidgenössischen Alpen-Gletscher. Das Eisvolumen ist um 5,5 Prozent zurückgegangen.

Damit zählt 2026 - nach 2022 - zu den schlimmsten Jahren seit Beginn der Messungen im Jahr 1950. Zwischen 2022 und 2026 ist der Eisverlust mehr als doppelt so hoch wie in jeder Fünfjahresperiode davor. Seit 2021 sind dadurch fast 20 Prozent des Gletschervolumens verloren gegangen.

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Die aktuellen Zahlen stammen von Messungen auf 23 Gletschern und wurden im September 2026 erhoben. Anschließend hat man diese Werte auf alle Gletscher in der Schweiz hochgerechnet.

Am Aletschgletscher verschwanden lokal rund 13 Meter Eis

Die Verluste unterscheiden sich je nach Region stark. Über alle Gletscher gerechnet, beträgt die sogenannte Massenbilanz für 2025/2026 minus 2,86 Meter Wassergleichwert. Dieser Wert gibt an, wie viel Wasser dem geschmolzenen Eis entspricht und ermöglicht Vergleiche zwischen verschiedenen Gletschern. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2022 waren es minus 3,13 Meter.

Mancherorts war die Schmelze noch extremer: An den tieferen Gletscherzungen sind fast zehn Meter Eis verschwunden. Am tiefsten Messpunkt des Grossen Aletschgletschers waren es sogar rund 13 Meter. Dieser Punkt liegt auf etwa 1.980 Meter Seehöhe.

Vier große Gletscher mit Negativrekord

Bereits Mitte September sorgte ein Foto vom Konkordiaplatz am Grossen Aletschgletscher für Aufsehen: Dort zeigte eine Messstange einen Eisverlust von fast sechs Metern während des Sommers.

Der Grosse Aletschgletscher ist einer von vier großen Gletschern, bei denen der Eisverlust 2026 noch extremer war als im bisherigen Rekordjahr 2022. Die anderen sind der Allalin-, der Clariden- und der Rhonegletscher.

Sommerliche Schmelze 58 Prozent über dem Durchschnitt

Schon vor dem Sommer war klar, dass die Ausgangslage schlecht war, wie der Glamos-Jahresbericht festhält. Ende April lag auf den Gletschern rund 25 Prozent weniger Schnee als im langjährigen Schnitt. Besonders zwischen Dezember und Mitte Februar war es ungewöhnlich trocken.

Ab der zweiten Maihälfte folgten mehrere Hitzewellen. Dadurch lag die sommerliche Gletscherschmelze zwischen Mai und September um 58 Prozent über dem Mittelwert der Jahre 2010 bis 2020. In diesem Zeitraum lag die Nullgradgrenze an 76 Tagen über 4.000 Meter.

Wegen des trockenen Winters und der Hitze im Sommer fiel der sogenannte Gletscherschwundtag 2026 auf den 2. Juli. An diesem Tag sind die im Winter angesammelten Schneereserven komplett aufgebraucht. Ab dann verliert der Gletscher netto an Substanz. Nur 2022 war der Schwundtag noch früher - am 26. Juni.

Trotz Hitze weniger Schmelzwasser als früher

Insgesamt haben die Gletscher in der Schweiz 2026 rund 2,5 Kubikkilometer Eis eingebüßt - das entspricht etwa 2.500 Milliarden Liter Wasser. Doch der hohe Eisverlust bedeutet nicht automatisch auch mehr Schmelzwasser als in früheren Extremjahren. Laut Glamos floss 2026 sogar weniger Wasser ab als 2003, obwohl damals die Schmelzraten pro Fläche etwa 25 Prozent niedriger waren.

Der Grund: Die Gletscherfläche ist inzwischen deutlich kleiner. Je weniger Eis vorhanden ist, desto weniger Wasser kann bei starker Schmelze frei werden. Das wirkt sich direkt auf die Wasserversorgung aus - vor allem in heißen, trockenen Phasen liefern Gletscher normalerweise zusätzliches Wasser.

Mit der schrumpfenden Eisfläche nimmt diese Pufferwirkung immer mehr ab. Glamos rechnet deshalb künftig mit Herausforderungen für Bewässerung, Wasserkraft, Ökosysteme und andere Nutzungen.

red,Akt. 01.10.2026, 23:08, 01.10.2026, 23:04