Alpen-Sterben beginnt!

"Wir haben in diesem Sommer zwei Gletscher verloren"

Zwei Schweizer Gletscher gelten bereits als verloren, der Rhonegletscher verliert täglich massiv Eis. Forscher warnen vor einem Sommer der Extreme.
Newsdesk Heute
12.08.2026, 14:44
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Die Bilder aus den Schweizer Alpen sind drastisch: Dort, wo sich vor Kurzem noch Eisflächen hielten, bleiben nur noch Flecken aus Schnee und Firn zurück. Der schneearme Winter, frühe Schneeschmelze und mehrere Hitzewellen setzen den Gletschern heuer massiv zu. Für manche kleine Gletscher kommt jede Abkühlung zu spät.

Wie der Schweizer "Blick" berichtet, ist der Bella-Tola-Gletscher bei Saint-Luc im Wallis bereits Geschichte. Am Nordhang des 3.025 Meter hohen Bella Tola seien nur noch spärliche Firnfelder übrig. Schneeexperte Robert Bolognesi bringt die Lage auf den Punkt: "Das Katastrophenjahr, das wir Ende Mai befürchtet hatten, ist eingetroffen."

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Auch der Urirotstock-Gletscher in den Urner Alpen zählt zu den Opfern dieses Sommers. Wo einst eine geschlossene Eisfläche lag, tritt nun Fels hervor. Übrig geblieben sind nur noch vereinzelte Schnee- und Firnreste. Wetter-Experte Jörg Kachelmann schreibt dazu auf X: "Wir haben in diesem Sommer den Bella-Tola-Gletscher und den am Urirotstock verloren."

Der Grund für das Tempo liegt in einer fatalen Kombination: Im Winter fiel zu wenig Schnee. Dadurch fehlte den Gletschern die schützende Decke, die das Eis normalerweise durch den Sommer bringen soll. Als dann die Hitze kam, lag das Eis vielerorts ungeschützt in der Sonne. Für Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich ist genau diese Mischung der "Worst Case" für die Gletscher.

Besonders sichtbar wird das Drama am Rhonegletscher. Seit Mitte Mai verliert er kontinuierlich an Masse. Anfangs schmolz vor allem der im Winter angesammelte Schnee. Inzwischen geht es an die langfristigen Eisreserven. Bei einer Fläche von 13,5 Quadratkilometern entspricht der Verlust seit Mitte Juni rund 19 Milliarden Litern Wasser.

Die Messwerte zeigen, wie extrem die Lage ist. Auf der Gletscherzunge gingen seit Mitte Juni fast durchgehend rund zehn Zentimeter Eis pro Tag verloren. Über den gesamten Gletscher gerechnet, inklusive höherer Lagen, sind es laut Huss rund fünf Zentimeter pro Tag. Innerhalb eines Monats verschwanden am Rhonegletscher mehr als vier Meter Eis.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Der Gletscher schmilzt nicht nur von oben, sondern auch von unten. Schmelzwasser frisst Hohlräume ins Eis, die später einstürzen können. Huss beschreibt solche Prozesse als zusätzliche Schwächung von innen. Für die tiefer gelegenen Teile des Rhonegletschers bedeutet das: In fünf bis zehn Jahren könnte dort kein Eis mehr liegen. Zurück bliebe Eis vor allem in höheren, kälteren Lagen.

Auch andere Gletscher stehen unter Druck. Der Glärnischfirn in Glarus hat in diesem Sommer deutlich an Länge und Dicke verloren. Beobachter vor Ort rechnen damit, dass ihm nur noch wenige Jahre bleiben könnten.

Der Sommer 2026 liegt nach derzeitigem Stand zwar noch hinter dem Rekordjahr 2022, aber klar auf Platz zwei der schlimmsten Jahre für die Schweizer Gletscher. Die endgültige Bilanz kann erst nach dem Ende der Schmelzsaison gezogen werden.

Für die Schweiz geht es dabei nicht nur um ein verändertes Landschaftsbild. Gletscher sind wichtige Wasserspeicher. Sie geben Wasser gerade dann ab, wenn es in Hitze- und Dürreperioden gebraucht wird. Werden diese Reserven kleiner, kann das langfristig Folgen für Wasserversorgung, Wasserkraft und Flüsse haben.

Gleichzeitig verändert sich das Gebirge. Wo Eis verschwindet, werden Felsflanken freigelegt, Geröll wird instabiler, der Permafrost taut. Huss warnt zwar vor Pauschalalarm, sieht aber klare Veränderungen: Ereignisse könnten künftig häufiger an Orten auftreten, an denen sie bisher nicht erwartet wurden.

Der Klimawandel zeigt sich in den Alpen damit besonders sichtbar. Was früher als ewiges Eis galt, verschwindet in wenigen Sommern. Für kleine Gletscher wie Bella Tola und Urirotstock ist dieser Sommer offenbar bereits der letzte gewesen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 12.08.2026, 14:44