Die Weltmeere liefern das nächste Warnsignal: Mitten in einer Rekord-Hitzewelle in Europa hat Copernicus Marine einen neuen globalen Rekord bei der Meeresoberflächentemperatur festgestellt. Laut dem Fachportal "The Maritime Executive" liegt der Wert aktuell rund 0,1 Grad Celsius über früheren Rekorden für den 21. Juni; 2026 wäre damit das dritte Jahr innerhalb von vier Jahren, in dem diese Schwelle überschritten wurde.
Der Rekord kommt nicht aus dem Nichts. Copernicus Marine verweist auf anhaltend außergewöhnlich warme Ozeane und den aufkommenden El Niño im tropischen Pazifik. Auch das ECMWF bestätigte den neuen Tagesrekord. Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Climate Change Service, sagt dazu: "Bei Ozeantemperaturen auf diesem Niveau und El Niño am Horizont werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde fallen."
Besonders im Pazifik richtet sich der Blick der Forscher nun auf El Niño. Das Klimaphänomen lässt die Oberflächentemperaturen im äquatorialen Ostpazifik stark steigen und kann Wettermuster weltweit verschieben. In El-Niño-Jahren treten typischerweise höhere globale Lufttemperaturen und mehr Extremwetter wie Dürren, Stürme und Hitzewellen auf
Klimaforscher Zeke Hausfather warnt auf X: "Ich bin mir nicht sicher, dass alle bereits realisiert haben, wie irre die zweite Hälfte von 2026 und 2027 bei den globalen Temperaturen werden wird."
Seine aktuelle Modellprojektion zeigt: Nach dem bisherigen Rekordjahr 2024 mit +1,53 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau könnten 2026 und 2027 noch darüber liegen. 2027 könnte demnach mit +1,70 Grad in die Geschichte eingehen.
Hausfather betont außerdem: "Wir sind bereits in sehr starken El-Niño-Bedingungen, und es ist erst Anfang August." Auch der französische Meteorologe Guillaume Séchet schreibt auf X, dieser El Niño werde "sehr wahrscheinlich" zum stärksten jemals beobachteten Ereignis. Der Höhepunkt der Intensität werde demnach gegen Jahresende erwartet.
Entscheidend ist aber nicht nur die Temperatur an der Meeresoberfläche. Die Ozeane speichern enorme Wärmemengen auch in tieferen Schichten. Laut dem Bericht erreichten Gewässer in 0 bis 2.000 Metern Tiefe zuletzt einen neuen Rekord beim Wärmeinhalt.
Die französische Ozeanografin Sabrina Speich nennt den Wärmeinhalt der Ozeane den "robustesten Indikator des Klimawandels", weil er nicht nur den Zustand der Meere, sondern des gesamten Klimasystems zeige.
Für die kommenden Monate heißt das: Die Meere bleiben ein zentraler Gradmesser. Ob 2026 und 2027 tatsächlich neue globale Rekordjahre werden, hängt von der weiteren Entwicklung von El Niño und der anhaltenden Ozeanwärme ab. Die aktuellen Daten zeigen jedenfalls klar: Die Rekordserie ist noch nicht vorbei.
Selbst der kürzere Ausblick ist düster. "In den nächsten drei Monaten ist mit überdurchschnittlichen Temperaturen zu rechnen", schreibt die Weltorganisation für Meteorologie. Beinahe auf dem gesamten Erdball ist von August bis Oktober mit überdurchschnittlichen Lufttemperaturen zu rechnen.