Es wird immer schlimmer

"2026 ist erst der Anfang" – Forscher warnen Europa

40-Grad-Hitze, Dürre und Waldbrände setzen Europa zu. Klimaforscher warnen: 2026 könnte erst der Anfang sein, es wird noch schlimmer kommen.
Newsdesk Heute
02.08.2026, 14:00
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Verheerende Waldbrände, Temperaturen von mehr als 40 Grad und ungewöhnlich heftige Trockenheit: Der Sommer 2026 bringt Europa immer näher an seine Belastungsgrenze.

Mehrere Länder haben bereits neue Wetterrekorde verzeichnet. Mehr als 300.000 Menschen mussten in Frankreich und Spanien vor den Flammen fliehen. Wie die "New York Times" berichtet, führten die größten Brände der modernen Geschichte beider Länder auch zu den größten Evakuierungen in Friedenszeiten.

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Dörfer wurden zerstört, riesige Landflächen gingen in Flammen auf. Millionen Menschen suchen gleichzeitig Schutz vor der Hitze.

Mindestens 10.000 Hitzetote im Juni

Die Extremtemperaturen haben massive Auswirkungen auf den Alltag. Konzerte und Festivals mussten abgesagt werden, die letzte Etappe der Tour de France wurde verkürzt. Der Louvre und der Eiffelturm schlossen früher.

Selbst die schottischen Highlands wurden von Waldbränden getroffen. In London sagten Veranstalter ausgerechnet eine Konferenz über den Umgang mit extremer Hitze ab.

Besonders erschütternd ist die Zahl der Todesopfer: Allein im Juni wurden europaweit 10.000 Todesfälle mehr als normal verzeichnet. Die enorme Übersterblichkeit wird mit der extremen Hitzewelle in Verbindung gebracht - andere dermaßen überregionale Einflussfaktoren gab es keine. Und: Experten befürchten, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegen könnte.

"2026 ist erst der Anfang"

Andere Weltregionen kämpfen ebenfalls mit Extremwetter, Europa erwärmt sich jedoch schneller als jeder andere Kontinent. Seit Mitte der 1990er-Jahre steigt die Temperatur hier beinahe doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt.

Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, bezeichnet Europa als einen Brennpunkt der Folgen des Klimawandels. In deutscher Übersetzung warnt der schwedische Wissenschaftler: "2026 ist erst der Anfang." Die Lage werde sich unweigerlich weiter verschärfen. "Es wird immer schlimmer und schlimmer werden, bis wir, so fürchte ich, die Grenzen der Anpassung überschreiten werden."

Auch die Schweizer Klimaforscherin Sonia Seneviratne sieht die Entwicklung mit Sorge. Angesichts der Hitzewelle und der Brände werde die Situation "langsam unerträglich".

Häuser speichern die Hitze

Obwohl andere Regionen der Welt noch höhere Temperaturen gewohnt sind, ist Europa vielerorts schlecht auf die neue Hitze vorbereitet. Zahlreiche Gebäude wurden mit Blick auf früher deutlich harschere Winter so errichtet, dass sie Wärme möglichst lange speichern. Klimaanlagen sind hierzulande auch noch deutlich weniger verbreitet als etwa im Südwesten der USA oder in der Golfregion.

Auch Europas Wälder werden zum Risiko. Viele Baumbestände bestehen überwiegend aus denselben Arten und wurden zu Zeiten gepflanzt, als das Klima noch kühler und feuchter war. Während langer Trockenperioden können sich Brände dort besonders schnell ausbreiten.

Frankreich zählt immer mehr Hitzewellen

Wie stark sich das Klima bereits verändert hat, zeigt sich in Frankreich. Seit 1947 wurden dort 53 Hitzewellen registriert. 28 davon ereigneten sich allein innerhalb der vergangenen 15 Jahre.

Auch Bordeaux erlebt Temperaturen, die früher äußerst ungewöhnlich waren. Zwischen 1921 und 2000 wurde dort kein einziger Tag mit mindestens 39 Grad gemessen. In diesem Sommer wurde diese Marke bereits achtmal erreicht - obwohl noch nicht einmal die Hälfte der Jahreszeit vorbei ist.

Die Winzer der berühmten Weinregion leiden nicht nur unter der Hitze. Sie fürchten zudem, dass der Rauch der Waldbrände den Geschmack der Trauben beeinträchtigen könnte.

Frankreich und Spanien rufen Klimanotlage aus

Spaniens Premier Pedro Sánchez erklärte angesichts der Brände eine "Klimanotlage". Ein staatlicher Pakt solle das Problem künftig grundlegend und langfristig bekämpfen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte unterdessen an, die verbrannten Kiefernwälder in der französischen Region Gironde mit Baumarten aufzuforsten, die besser mit einem heißen und trockenen Klima zurechtkommen: "Die Situation, in der wir uns heute befinden, ist die schwierigste, die wir je erlebt haben - die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg."

Gleichzeitig gerät Europas Klimapolitik zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Druck. Die EU schlug zuletzt Regeländerungen vor, durch die einzelne Industriezweige länger etwas höhere Emissionen verursachen könnten.

Vor allem Kritiker von Netto-Null-Zielen argumentieren, Europa könne sich strenge Klimavorgaben in Zeiten schwachen Wirtschaftswachstums und unsicherer Energieversorgung nicht leisten.

Bis zu 48 Grad im Jahr 2050 möglich

Klimaforscher warnen jedoch davor, dass der Extremsommer 2026 im Rückblick vergleichsweise harmlos wirken könnte. Die Erde steuert derzeit darauf zu, das zentrale Ziel des Pariser Klimaabkommens zu verfehlen.

Der Temperaturanstieg sollte laut dem Pariser Klimaziel eigentlich auf deutlich weniger als zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. Einige Experten sehen allerdings Anzeichen dafür, dass sich die Erwärmung weiter beschleunigt.

Frankreichs Wetterdienst zeichnet für das Jahr 2050 jedenfalls ein düsteres Bild: Hitzewellen könnten fünfmal häufiger auftreten und die Temperaturen brütende 48 Grad erreichen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 02.08.2026, 14:00