Der große Hitze-Irrtum

Klimawandel: Extreme Hitze macht selbst Kamele krank

Kamele gelten als perfekt an die Wüste angepasst. Doch Temperaturen über 40 Grad setzen selbst den robusten Tieren massiv zu.
Newsdesk Heute
23.07.2026, 22:45
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Kamele sind gegen Hitze immun? Dieser weitverbreitete Irrtum wird durch die immer extremeren Temperaturen in Afrika widerlegt. Selbst die Wüstenschiff bekannten Tiere leiden inzwischen unter Hitzestress, Wassermangel und Krankheiten.

Besonders dramatisch ist die Lage in der Afar-Region im Nordosten Äthiopiens, einem der heißesten und trockensten Orte der Erde. Hirte Ali Umer beobachtet die Folgen täglich. "Meine Kamele leiden unter der extremen Hitze", berichtet der 40-Jährige, der rund 500 Tiere besitzt, der BBC.

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Der heiße Sand verbrenne die Haut der Tiere, verursache Blasen an den Füßen und greife beim Sitzen sogar das Fell an. "Innerhalb eines Monats habe ich acht Kamelkälber wegen der extremen Hitze verloren", sagt Umer. Selbst der Wind bringe keine Abkühlung mehr, sondern nur noch zusätzliche Hitze.

Natürlicher Schutz hat Grenzen

Kamele können hohe Temperaturen deutlich besser aushalten als viele andere Tiere. Sie lassen ihre Körpertemperatur im Laufe des Tages schwanken, schwitzen dadurch weniger und sparen Wasser. Konzentrierter Urin, trockener Kot und ein dichtes Fell schützen zusätzlich vor dem Austrocknen und der Sonnenstrahlung.

Doch dieser Schutz hat Grenzen. Bis etwa 40 Grad kommen Kamele vergleichsweise gut zurecht. Steigen die Temperaturen über längere Zeit auf mehr als 41 bis 45 Grad, kann der Körper Schaden nehmen. In Teilen der Sahara werden inzwischen regelmäßig Werte von über 50 Grad erreicht.

"Auch Kamele können Hitzestress erleiden, wenn die Temperaturen ihren Wohlfühlbereich überschreiten", erklärt Kamelexperte Mohammed Bengoumi. Besonders gefährlich werde es, wenn zusätzlich Wasser, Pflanzen, Schatten und tierärztliche Versorgung fehlen.

Todesfälle werden mehr

Die Folgen reichen von Erschöpfung, Gewichtsverlust und Entzündungen bis zu Infektionen und Nierenschäden. Die Tiere fressen weniger, werden träge und produzieren weniger Milch. Auch die Fortpflanzung kann beeinträchtigt werden.

In Somalia ist die Lage besonders ernst. Untersuchungen zeigen, dass fast jeder zweite Haushalt mit Kamelen bereits Tiere durch die Dürre verloren hat. In einzelnen nördlichen Regionen lag die Sterblichkeit sogar bei fast 73 Prozent. Auch Tierärzte in Kenia berichten von einem deutlichen Anstieg hitzebedingter Erkrankungen und Todesfälle.

Viele Hirten verlassen deshalb dauerhaft den Norden Äthiopiens und ziehen mit ihren Herden in südlichere Gebiete. Dort gibt es noch mehr Wasser und Vegetation. Forscher Daniel Gelan warnt: "Sie verlassen die nördliche Region endgültig, weil Kamelhaltung dort wegen der extremen Hitze und Dürre nicht mehr möglich ist."

Das Kamel bleibt die letzte Verteidigungslinie vieler Hirten gegen die Wüste. Doch ausgerechnet das Symbol für Widerstandskraft wird nun selbst zum Opfer der Klimakrise.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.07.2026, 22:45