"Es ist halt Sommer", ist 2026 ein grobes Understatement. Wochenlange Hitzewellen und Monate ohne nachhaltigen Niederschlag haben in vielen Regionen Europas bereits deutliche Spuren hinterlassen: Riesige Waldbrände toben in Frankreich und Spanien, etliche Flüsse führen zu wenig Wasser für die Schifffahrt, ausgetrocknete Bodenschichten führen zu massiven Ernteausfällen, Grundwasserspiegel sinken kontinuierlich. Auch unsere Alpenrepublik bleibt davon nicht verschont. Schon jetzt ist klar, dass 2026 als ein Extremjahr in die Geschichtsbücher eingehen wird.
Dürre wurde in der Vergangenheit überwiegend mit ausbleibenden Niederschlägen in Verbindung gebracht. Aber das ist nicht der einzige Grund, betonen Wissenschaftler aus Österreich und anderen EU-Ländern, die die Bedingungen der aktuellen Trockenheit in Europa analysiert haben: Es ist auch die Verdunstung, die enorm zugenommen hat!
"Steigende Temperaturen erhöhen den Durst der Atmosphäre rasch und saugen Feuchtigkeit förmlich aus Flüssen, Seen und Böden", wird Dominik Schumacher vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich u.a. durch den "Tagesspiegel" zitiert. "Damit verändert sich die Entstehung europäischer Dürren grundlegend. Sie sind immer weniger auf ausbleibenden Regen zurückzuführen und immer mehr auf wärmere Luft, die verhindert, dass der Regen im Boden verbleibt."
Nachsatz: "Das haben wir uns selbst zuzuschreiben." Denn die menschenverursachte Erderwärmung um bislang rund 1,4 Grad Celsius verstärkt über höhere Temperaturen auch die Trockenheit. In einem kühleren Klima hätten dieselben Bedingungen nur eine vergleichsweise mildere Folgen.
"Aus eigentlich beherrschbaren Trockenperioden werden schwere Dürren", ergänzt Klimaforscherin Sarah Kew vom Königlichen Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI). "Die Niederschlagsmuster bleiben zwar uneinheitlich, doch unsere Ergebnisse zeigen: Extreme Hitze wird auf unserem Kontinent zum wichtigsten Motor von Dürre."
Ebenso werden solche Ereignisse in Zukunft öfter auftreten, sagen die Forscher. So hohe Verdunstungsraten, wie sie zwischen April und Juni in Westeuropa beobachtet wurden, sind durch den Klimawandel um das 80-fache wahrscheinlicher geworden. Für Osteuropa, wo das Niederschlagdefizit bereits seit 2025 besteht, um das 40-fache.
"Wir beobachten nun bereits im Frühjahr, noch bevor der Sommer überhaupt begonnen hat, eine verstärkte Tendenz zu ungewöhnlicher Bodentrocknung", konstatiert Klimawissenschaftler Schumacher. Es könne zwar weiterhin auch verregnete Sommer geben, doch zeige der Trend klar in Richtung Trockenheit. 2026 sei somit eine Vorschau auf das, was wir in Zukunft noch öfter erleben werden.
Insgesamt hat der beobachtete starke Anstieg der Verdunstung deshalb auch die Dürre-Schwellenwerte klar verschoben. Niederschlagsdefizite, die früher keine Dürre ausgelöst hätten, führen nun zu Dürrebedingungen. Selbst regelmäßiger Regen im Sommer könne diese starken Verdunstungsraten nicht mehr ausgleichen, so die Forscher.
Sie sind besorgt, dass das bereits die Auswirkungen von "nur" 1,4 Grad Erderwärmung auf Europa sind. "Steigen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 °C, könnten sich diese extremen Verdunstungsbedingungen in ihrer Wahrscheinlichkeit noch einmal verdoppeln. Dürren wie diese würden dann zur Regel", warnt Mariam Zachariah vom Centre for Environmental Policy am Imperial College London. Solche "glühend heiße, trockene Sommer" könnten zur jährlichen Normalität werden.