Österreich steht vor dem nächsten Höhepunkt eines außergewöhnlich heißen Sommers. Bis Freitag steigen die Temperaturen im ganzen Land deutlich an. Im östlichen Flachland sind 38 bis 39 Grad möglich, vereinzelt könnten sogar 40 Grad erreicht werden.
Wann die aktuelle Hitzewelle endet, ist noch völlig offen. Zwar nimmt vom Bergland aus die Gefahr von Schauern und Gewittern zu, eine nachhaltige Abkühlung zeichnet sich aber nicht ab. Dafür wäre ein Temperaturrückgang um zehn bis 15 Grad notwendig.
Die Hitze bleibt damit womöglich länger bestehen als zunächst angenommen. Das passt zu einer Entwicklung, die Klimaforscher seit Jahrzehnten beobachten: Hitzewellen treten nicht nur häufiger auf, sie dauern auch immer länger.
Im Westen und Süden ist es bereits die dritte Hitzewelle des Jahres. Die erste begann am 24. Mai und dauerte je nach Region fünf bis neun Tage. Die zweite startete Mitte Juni, erfasste ganz Österreich und hielt in den Niederungen zwischen 18 und 35 Tage an. Letztere war somit "ungewöhnlich lange", bilanziert Klimatologe Alexander Orlik von der GeoSphere Austria.
Nach der sogenannten Kysely-Definition - benannt nach einem tschechischen Meteorologen - ist diese zweite Hitzewelle an einzelnen Wetterstationen noch nicht einmal beendet. Dazu zählen unter anderem Bregenz und Eisenstadt.
Dort sind die Temperaturen zwischen den einzelnen Hitzephasen nicht weit genug gesunken. Eine Hitzewelle gilt nach dieser Methode erst als beendet, wenn die Tageshöchsttemperatur unter 25 Grad fällt oder der Durchschnitt der Höchstwerte unter 30 Grad sinkt.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark sich die Dauer verändert hat. Zwischen den 1940er- und den 1980er-Jahren gab es im Schnitt ein bis zwei Hitzewellen pro Jahr. Diese brachten meist insgesamt nur ein bis acht Hitzewellentage.
In den 2010er- und 2020er-Jahren wurden hingegen bereits zwei bis drei Hitzewellen pro Jahr registriert. Sie sorgen im Schnitt für fünf bis 25 Hitzewellentage. Gleichzeitig gibt es immer weniger Jahre, in denen überhaupt keine Hitzewelle auftritt.
Auch die Hitzesaison beginnt deutlich früher. Zwischen 1961 und 1990 startete die früheste Hitzewelle am 1. Juni. Im Zeitraum von 1991 bis 2020 wurde der früheste Beginn bereits am 29. April verzeichnet.
Bregenz meldete am Mittwoch den insgesamt 29. Hitzetag des Jahres. "Das bedeutet Gleichstand mit dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2015", so die Unwetterzentrale UWZ. In den 1940er-Jahren lag der Schnitt dort bei nur 6,7 Hitzetagen pro Jahr.
Nicht nur die Dauer hat zugenommen. Auch die höchsten Temperaturen während einer Hitzewelle sind seit den 1980er-Jahren um rund drei Grad gestiegen.
Der sogenannte Schwereindex, der Dauer und durchschnittliche Höchsttemperatur kombiniert, zeigt die Entwicklung besonders deutlich. Im Mittel der neun Landeshauptstädte erhöhte sich der Wert seit dem Klima um 1975 von 5,3 auf 12,9 Grad-Tage. Das entspricht einer Steigerung um den Faktor 2,4.
Die gesundheitliche Belastung wächst dadurch deutlich. Entscheidend sind neben der Lufttemperatur auch die Luftfeuchtigkeit, der Wind und die Sonneneinstrahlung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder und Personen mit Vorerkrankungen.
"Hitzewellen treten heute nicht nur häufiger auf, sie dauern vielfach länger und erreichen höhere Temperaturen. Daraus ergibt sich ein deutlich erhöhtes Potenzial für gesundheitliche Belastungen", erklärt Klimaforscher Marc Olefs: "Wie stark diese Risiken in Zukunft weiter zunehmen, hängt wesentlich davon ab, wie rasch die globalen Treibhausgasemissionen sinken: Konsequenter Klimaschutz kann die weitere Verschärfung begrenzen, während Anpassungs- und Hitzeschutzmaßnahmen bereits heute unverzichtbar sind."