Damit hatte im Zoo Schmiding in Oberösterreich wirklich niemand gerechnet. Am 15. Oktober brachte Tapir-Weibchen Lucy ein gesundes männliches Jungtier zur Welt. Der kleine Yaku ist bereits für Besucher zu sehen. Besonders kurios: Eigentlich hätte es den Nachwuchs gar nicht geben sollen. Eine Verhütungspanne machte den Tierpflegern einen Strich durch die Rechnung.
Hinter der überraschenden Geburt steckt ein Lieferengpass. Im Rahmen eines europäischen Erhaltungszuchtprogramms wird genau geplant, welche Tapire Nachwuchs bekommen sollen. Da die Tiere in europäischen Zoos bereits gut vertreten sind, war für Lucy und Tapirmännchen Poroto vorerst kein weiteres Baby vorgesehen.
Poroto erhielt deshalb eine hormonelle Behandlung zur Fortpflanzungskontrolle. Doch Ende 2025 musste diese wegen Lieferproblemen beim benötigten Medikament vorübergehend unterbrochen werden. Offenbar reichte diese kurze Pause aus, damit Lucy trächtig wurde.
"Natürlich war der Nachwuchs nicht geplant, aber jetzt freuen wir uns vor allem darüber, dass es Lucy und Yaku gut geht", erklärt Zoologe Dr. Hirtenlehner.
Der kleine Yaku ist bereits wohlauf. Schon kurz nach seiner Geburt trank er bei seiner Mutter, die sich aufmerksam um ihn kümmert. Besucher können die beiden durch die großen Panoramascheiben des Tapirhauses beobachten.
Besonders auffällig ist das Fell des Jungtiers. Während erwachsene Flachlandtapire überwiegend braun sind, haben Babys helle Streifen und Flecken. Diese dienen in den südamerikanischen Regenwäldern als Tarnung und verschwinden in den ersten Lebensmonaten.
Auch sein Name passt zu seiner Herkunft: Yaku bedeutet in der südamerikanischen Sprache Quechua "Wasser". Tapire sind nämlich ausgezeichnete Schwimmer und halten sich gerne in Gewässern auf.
Obwohl der Nachwuchs nicht geplant war, zeichnet sich für den kleinen Tapir bereits eine Lösung ab. Sobald Yaku erwachsen ist, könnte er in einen anderen Zoo übersiedeln. Die zuständige Koordinatorin des europäischen Erhaltungszuchtprogramms wurde bereits informiert.
Flachlandtapire gelten in ihrer südamerikanischen Heimat als gefährdet. Vor allem die Zerstörung ihres Lebensraums und die Jagd setzen ihnen zu. Weil sie durch ihre Nahrung Samen verbreiten, spielen sie eine wichtige Rolle für den Regenwald.
Wer den kleinen Überraschungsnachwuchs sehen möchte, hat bereits Gelegenheit dazu. Yaku ist gemeinsam mit seiner Mutter im Tapir-Innenhaus zu beobachten.
Ab dem kommenden Wochenende bietet der Zoo passend zu den Herbstferien außerdem ein eigenes "Meet the Keeper" am Tapirgehege an. Dabei erzählen die Tierpfleger mehr über die ungewöhnliche Geburt und die Entwicklung des kleinen Tapirs.