Österreich hat zwar den Fußball-Kracher gegen Argentinien am Montagabend mit 0:2 verloren, trotzdem steht die ÖFB-Elf beinahe fix in der K.o.-Phase der Weltmeisterschaft. Der Grund dafür ist, dass Algerien in den frühen Dienstagmorgenstunden "nur" mit 2:1 gegen Jordanien gewonnen hat, während Österreich den WM-Debütanten mit 3:1 geschlagen hatte. Und dass die "Wüstenfüchse" mit 0:3 gegen Titelverteidiger Argentinien mit Superstar Lionel Messi verloren hatten, während die ÖFB-Elf "nur" zwei Tore vom bald 39-Jährigen eingeschenkt bekommen hatte.
Das heißt, dass Österreich aktuell Zweiter der Gruppe J ist und damit aufgrund der um zwei Tore besseren Tordifferenz vor den Algeriern liegt. Zur Erinnerung: Die Top Zwei jeder Gruppe kommen weiter, gleichzeitig aber auch die besten acht Gruppen-Dritten. Welche das sind, wird anhand eines komplexen Schlüssels ermittelt und ist davon abhängig, welche anderen Gruppen-Dritten aufsteigen. Insgesamt gibt es dafür 495 mögliche Kombinationen.
Fix ist jedenfalls: Wird Rot-Weiß-Rot Gruppen-Zweiter – der Gruppensieg ist seit Montagabend nicht mehr möglich – wartet der Sieger der Gruppe H. Und das ist aller Voraussicht nach der amtierende Europameister Spanien. Und das würde ein äußerst kniffliges Los für unsere WM-Helden bedeuten.
Österreich hat noch ein WM-Spiel. Und das steigt eben am kommenden Sonntag um 4 Uhr morgens. Es geht gegen Algerien und wird über den zweiten Gruppenplatz entscheiden. Österreich reicht jedes Unentschieden und natürlich jeden Sieg, um vor Algerien zu bleiben. Derweil können sich die Nordafrikaner mit einem "Dreier" noch an Österreich vorbeischieben.
Was gut für Österreich – und in weiterer Folge auch für Algerien – ist, ist nämlich, dass die Partie das allerletzte Spiel der Gruppenphase ist, neben dem zeitgleich stattfindenden Duell zwischen Argentinien und Jordanien, das bedeutungslos ist. Heißt aber auch im Umkehrschluss: Beide Mannschaften wissen dann schon vor dem Anstoß, was es braucht, um weiterzukommen.
Das kommt einigen Fußballfans doch bekannt vor: 1982 die "Schande" von Gijon zwischen Österreich und Deutschland. Die Deutschen siegten 1:0, es gab einen "Nichtangriffspakt" beider Teams. Denn eine höhere Niederlage hätte das Aus für Österreich bedeutet und die Deutschen haben dringend den "Dreier" gebraucht. Leidtragender damals: ausgerechnet Algerien. Etwas, das sich tief in die algerische Fußballseele hineingebrannt hat und bis heute ein Thema war.
Nun könnte es eben vor dem Spiel so sein, dass beide Teams trotz einer Niederlage aufsteigen könnten. Bei einem Unentschieden dürfte das Weiterkommen Algeriens mit vier Punkten auch fix sein. Gleichzeitig wirft das aber die Frage auf, ob es nicht besser für Rot-Weiß-Rot wäre, Dritter zu werden. Eine ganz knappe 0:1-Pleite gegen die Algerier könnte dafür reichen. Ob dem so ist, weiß man eben erst kurz vor dem Spiel. Die Rechenschieber sind jedenfalls angeworfen.
Platz drei würde zwar auch jedenfalls einen Gruppensieger als Gegner im Sechzehntelfinale mit sich bringen, aber gleichzeitig würde die ÖFB-Elf so Spanien aus dem Weg gehen.
Die fünf möglichen Gegner als Dritter der Österreich-Gruppe wären die USA, der Sieger der äußerst offenen Gruppe G (Ägypten, Iran, Belgien), das beste Team der Gruppe L, wohl England, der Sieger der Gruppe K, also Portugal oder Kolumbien oder das bestplatzierte Team aus der Gruppe B, was Kanada oder die Schweiz wäre. Und nach aktuellem Stand ist dies der wahrscheinlichste Gegner des Dritten der Österreich-Gruppe. Kanada oder Schweiz, beides Teams, die bisher überzeugt haben, wären aber wohl trotzdem die angenehmere Aufgabe als Spanien.
Verliert Österreich also aus taktischen Gesichtspunkten, um noch Dritter zu werden? Das wird es mit Teamchef Ralf Rangnick wohl nicht spielen. "Wir werden keine Rechenspiele anstellen, uns voll auf Algerien konzentrieren", meinte der Deutsche.
Und Obacht, der Schuss könnte natürlich nach hinten losgehen. Denn im Falle einer deutlicheren Pleite könnte das aktuell ausgeglichene Torverhältnis leiden. Und das wiederum womöglich dafür sorgen, dass Österreich dann noch aus den acht besten Gruppen-Dritten purzeln würde.