Fliegen ohne schlechtes Gewissen? Daran tüfteln Forscher in Österreich. An der Montanuniversität Leoben läuft jetzt eine Versuchsanlage, die Kerosin aus Rübenresten und Holzschnitzeln herstellt - ein möglicher Gamechanger für die Branche.
Der Druck ist groß: Weltweit werden jährlich rund 350 Milliarden Liter Kerosin verbraucht. Die Luftfahrt verursacht damit bis zu fünf Prozent der Treibhausgase - Tendenz steigend. Gleichzeitig warnen Airlines vor Engpässen beim Treibstoff.
Die Lösung könnte sogenannter nachhaltiger Flugtreibstoff sein. Bisher wird dieser oft aus Altölen gewonnen - doch davon gibt es zu wenig. In Leoben geht man deshalb einen neuen Weg: Aus Biomasse wird zunächst ein Gas erzeugt, daraus Alkohol - und schließlich durch chemische Prozesse echtes Kerosin.
Die Technik ist komplex: In mehreren Reaktoren werden Moleküle umgebaut und verlängert, bis sie die Eigenschaften von Flugtreibstoff haben. Aktuell schafft die Anlage rund einen halben Liter pro Stunde - noch zu wenig für den großen Einsatz, aber ein wichtiger Schritt.
Langfristig könnte der Prozess sogar komplett ohne Biomasse funktionieren. Stattdessen würde Wasserstoff mit CO2 kombiniert, um künstlichen Treibstoff herzustellen.
Die EU gibt die Richtung vor: Schon jetzt müssen zwei Prozent nachhaltiger Treibstoffe beigemischt werden. Bis 2050 sollen es 70 Prozent sein. Der Bedarf wird also massiv steigen. Das Problem: Die Herstellung ist teuer und energieintensiv. Tausende neue Produktionsanlagen wären nötig, um den Bedarf zu decken.
Fakt ist: Aus Rübenresten wird Flugbenzin - noch klingt das verrückt. Doch genau solche Ideen könnten entscheiden, wie wir morgen abheben.