Steve Strange zählte zu den schillerndsten Figuren der britischen Popkultur der frühen 1980er-Jahre. Als Frontmann von Visage ("Fade To Grey") wurde er zum Gesicht des Synth-Pop, zugleich prägte er mit Clubs wie Billy’s, dem Blitz Club und Club For Heroes die New-Romantic-Bewegung. Boy George, Spandau Ballet oder Duran Duran zählen ihn zu ihren Einflüssen.
Nun wird ein lange zurückgehaltenes Kapitel seiner Karriere geöffnet. Am 20. November erscheint "Le Palais De Danse", das bisher unveröffentlichte Soloalbum des Sängers.
Das Material entstand gemeinsam mit Steve Barnacle, der an mehreren Besetzungen von Visage beteiligt war. "Als ich Anfang der 80er-Jahre als Bassist zur Band stieß, wusste ich, dass ich Teil von etwas Besonderem wurde. Aber nichts kann einen wirklich auf die Zusammenarbeit mit Steve Strange vorbereiten. Er hat Musik nicht nur dargeboten – er hat sie gelebt. Er schuf ein ganzes Universum um sie herum."
Strange arbeitete mit ihm an den Liedern, während er weiterhin Musik machte, Clubprojekte entwickelte und sich mit Mode beschäftigte.
"Während der Rest von uns im Studio verbissen am perfekten Synthie-Sound oder dem präzisen Knall der Snare-Drum feilte, hatte Steve das große Ganze im Blick. Er wusste, dass Musik nicht nur etwas war, das man hörte – sie war etwas, das man trug, zu dem man tanzte und das einen befreien konnte. Er lehrte eine Generation von Außenseitern, dass es in Ordnung war, aufzufallen. Mehr noch: Es war sogar wünschenswert."
„Er war ein Visionär, der sich weigerte, die Welt langweilig sein zu lassen“Steve Barnacle über Steve Strange
Obwohl einige Titel später mit Visage verbunden wurden, handelt es sich bei "Le Palais De Danse" ausdrücklich um ein Soloprojekt. Strange wollte damit ein eigenes musikalisches Zeichen setzen, unabhängig von seiner früheren Band.
Vier Stücke tauchten später in anderen Fassungen auf Visage-Veröffentlichungen auf: "Seven Deadly Sins", "Breathe Life", "Welcome To The Digital Age" und "Never Stop Dreaming". Auf dem neuen Album sind nun jene Versionen zu hören, die Strange ursprünglich für sein Solowerk vorgesehen hatte.
Dass das Projekt schließlich doch veröffentlicht wird, ist vor allem Barnacle zu verdanken. Der Musiker und Produzent führte die vorhandenen Aufnahmen zusammen und begleitete die Fertigstellung der Ausgabe.
Zu den auffälligsten Liedern gehört "Insinuate". Darin setzt sich Strange mit dem Eindringen der Presse in das Privatleben auseinander. Bei "Dirty & Flirty" ist Samantha Fox als Duettpartnerin zu hören.
Der Titelsong "Le Palais De Danse" ist als verschlüsselte Synth-Pop-Verbeugung vor David Bowie angelegt. Mit "Boys" befindet sich zudem eine selbstbewusste schwule Hymne auf dem Album.
Die Veröffentlichung umfasst ein 20-seitiges Booklet mit Fotos, Illustrationen und sämtlichen Liedtexten. Barnacle steuert außerdem Begleittexte zur Entstehung des Projekts bei. "Ja, manchmal war er eine Diva – seien wir ehrlich: Steve hätte nicht gewollt, dass ich so tue, als wäre das anders gewesen. Doch seine theatralische Art entsprang einer reinen, unverfälschten Leidenschaft für Kunst und Stil. Er war ein Visionär, der sich weigerte, die Welt langweilig sein zu lassen.“
Für Fans von Steve Strange ist das Album damit mehr als eine Sammlung bisher unbekannter Aufnahmen. Es zeigt, wie der Sänger außerhalb von Visage klingen wollte und welche musikalischen Pläne er für seine Solokarriere hatte. Am 20. November wird "Le Palais De Danse" erstmals vollständig veröffentlicht.
"Steve, du bist viel zu früh von uns gegangen. Doch wenn man sich umsieht, wird klar: Dein Stil und dein Beat werden niemals fade to grey [Anm.: zu Grau verblassen]."