Drei Monate lang hatten die Beach Boys nicht mehr öffentlich gespielt. Mehrere geplante Comeback-Termine waren zuvor abgesagt oder verschoben worden.
Am Samstag kehrte die Band schließlich im PNC Pavilion in Cincinnati auf die Bühne zurück. Doch der Auftritt löste bei vielen Fans vor allem Sorge um Frontmann Mike Love aus.
Der 85-Jährige wurde von seinem Sohn Christian und Schauspieler John Stamos auf die Bühne begleitet. Love bestritt das komplette Konzert im Sitzen, bewegte sich kaum, sang nur sporadisch bei Hits wie "Surfin USA", "Good Vibrations" oder "Kokomo" mit.
Aufnahmen des Abends verbreiteten sich danach rasch in sozialen Netzwerken. Viele Anhänger reagierten besorgt auf den Zustand des Beach-Boys-Mitgründers. Welche gesundheitlichen Probleme der Sänger genau hat, wurde bisher nicht bekannt gegeben.
John Stamos wandte sich vor dem Konzert an das Publikum. Der aus "Full House" bekannte Schauspieler tritt seit 41 Jahren immer wieder mit den Beach Boys auf. Love habe gesundheitliche Probleme, wolle diesen Abend aber keinesfalls versäumen. "Es ist das, was er am meisten liebt", sagte Stamos.
Und weiter: "Er liebt das Publikum, er liebt die Musik. Er weiß, wie wichtig das alles für euch ist. Deshalb sind wir alle hier, um ihn zu unterstützen und ihm so viel Liebe zu geben, wie wir können."
Einen Tag später veröffentlichte Stamos eine emotionale Nachricht. Darin bezeichnete er Love als geliebten Freund, Vaterfigur, musikalischen Helden und Mentor. Gleichzeitig machte er deutlich, wie ernst die Lage ist.
"Wir hoffen, dass er noch viele Jahre das tun kann, was er liebt. Aber wir wissen nicht, was die Zukunft bringt."
Besonders beunruhigend ist, dass Love offenbar entgegen dem Rat seines Umfelds auftrat. Nach Angaben von Stamos hatten Ärzte, Familienmitglieder und Freunde dem Musiker nahegelegt, sich auf seine Gesundheit zu konzentrieren.
"Mike ist ein Kämpfer. Obwohl Ärzte, Familie und Freunde ihn dazu drängen, sich um seine Gesundheit zu kümmern, besteht er darauf, auf der Bühne zu stehen", erklärte Stamos. Love brauche nach eigenen Angaben seine Band, das Publikum, seine Freunde um sich herum. Sie würden ihm Kraft geben.
Stamos verschwieg nicht, dass sich sein langjähriger Weggefährte sichtbar verändert hat.
"Der Mike Love, den wir heute Abend sehen, ist vielleicht nicht ganz jener Mike, den wir immer gekannt haben. Aber er ist noch immer genau der Mike, den wir lieben."
Bereits im Juni hatte Love öffentlich über seine Gesundheit gesprochen. Nach einem Auftritt im Londoner Stadtteil Chelsea erklärte er, sich zunächst von einer Bronchitis und danach von einer Covid-Erkrankung zu erholen.
Gleichzeitig musste er einen schweren persönlichen Verlust verkraften. Seine Schwester Maureen starb am ersten Todestag seines Cousins und früheren Bandkollegen Brian Wilson. Die Erkrankungen und die Trauer hätten ihn körperlich wie emotional stark belastet.
Trotzdem wollte Love weiterhin vor Publikum stehen. "Für mich ist unser Publikum die Medizin und die Musik die Heilung", erklärte er damals dem "Guardian".
Für viele Fans bleibt ein schwieriger Zwiespalt: Sie freuen sich, Mike Love noch einmal live zu erleben. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass sich der 85-Jährige mit diesen Auftritten zu viel zumutet.