Die Christdemokraten mussten bei den jüngsten Landtagswahlen herbe Verluste hinnehmen: In Sachsen-Anhalt setzte es eine historische Niederlage, in Mecklenburg-Vorpommern flog die CDU sogar aus dem Parlament. Kanzler Friedrich Merz (70) versuchte am Sonntagabend dennoch, Zuversicht auszustrahlen.
Seine Reformpläne bezeichnete er als "Mittel gegen das autoritäre Gift" und machte klar, dass er trotz der Ergebnisse nicht ans Aufgeben denkt. Dafür brauche es "Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld". Bei "Markus Lanz" warf die Rede allerdings Fragen auf. "Warum macht er das?", wollte der 57-jährige Moderator wissen. "Für mich hat das auch was Verzweifeltes, wenn ich das mal vorwegschicken darf", fügte er hinzu, wie "TAG24" berichtet.
Michael Brocker (49), Chefredakteur von "Politico Deutschland", ordnete den Auftritt politisch ein. Aus seiner Sicht wollte Merz möglichen Rücktrittsforderungen zuvorkommen: "Jetzt war die Strategie, dass er selbst sagt, ich verknüpfe mein Amt mit den Reformen, bevor irgendeiner seinen Kopf fordern kann."
Gleichzeitig sieht Brocker die Regierung eng mit dem Kanzler verbunden: "In Wahrheit ist die Instabilität in dieser Bundesregierung mit seiner Person verbunden." Als Beleg verwies er auf eine Analyse der Forschungsgruppe Wahlen.
Demnach sahen lediglich ein Prozent der Befragten – darunter auch CDU-Anhänger – Merz als hilfreich für das Wahlergebnis. Mit Blick auf die Reaktion der Parteibasis meinte Brocker deshalb: "Ich glaube nicht, dass die Basis das einfach alles jetzt so schluckt".