Dass der heurige Faschingsumzug aus Kostengründen nicht stattfindet, sieht FPÖ-Landtagsabgeordneter und Stadtrat Andreas Bors kritisch. Vor allem, da die Entscheidung "im Alleingang getroffen wurde. Weder der Stadtrat noch der Gemeinderat wurden damit befasst".
"Der Tullner Faschingsumzug war mit Tausenden Besuchern über Jahre hinweg eine der größten und beliebtesten Veranstaltungen unserer Stadt. Er hat die Innenstadt belebt, Familien zusammengebracht und stand wie kaum ein anderes Ereignis für ein gelebtes Miteinander in Tulln. Dass ausgerechnet hier der Sparstift angesetzt wird, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Es gibt in Tulln genügend andere Einsparungspotenziale", erklärt der freiheitliche Stadtparteiobmann.
Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sei es wichtig, Veranstaltungen zu erhalten, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und gleichzeitig der Innenstadt sowie der lokalen Wirtschaft zugutekommen. "Wer ständig von der 'Stadt des Miteinanders' spricht, darf solche Entscheidungen nicht hinter verschlossenen Türen und ohne Einbindung der anderen Parteien treffen", so Bors weiter.
Die Absage des Faschingsumzugs sei zudem ein deutliches Symptom einer jahrelangen verfehlten Finanzpolitik der Tullner ÖVP. "Teure und aus unserer Sicht unnötige Prestigeprojekte wie die kostspielige Umgestaltung des Nibelungenplatzes rächen sich nun. Statt verantwortungsvoll zu wirtschaften, müssen die Tullner jetzt auf liebgewonnene Veranstaltungen verzichten", kritisiert Bors. Ziel müsse es sein, "den Faschingsumzug künftig wieder jährlich möglich zu machen. Dafür werde ich kämpfen", so Stadtrat Bors.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Der Faschingsumzug 2026 in Tulln sei nicht abgesagt, sondern gar nicht erst geplant worden, heißt es auf "Heute"-Anfrage seitens der Stadtgemeinde.
"In der Stadtgemeinde haben im Jahr 2025 Politik und Verwaltung in enger Zusammenarbeit einen intensiven Budgetkonsolidierungsprozess erfolgreich abgewickelt. Die Summe aller budgetären Einsparungen beläuft sich auf knapp 2 Millionen Euro. Bei einem Workshop, an dem Vertreter aller Parteien teilnahmen (auch FPÖ-Stadtrat Bors) wurde besprochen, dass der Faschingsumzug ab sofort regelmäßig alle zwei Jahre stattfinden soll. Das heißt: Nachdem es im Jahr 2025 einen Umzug gab, ist konsequenterweise für 2026 kein Umzug geplant und das nächste "Faschingsumzugsjahr" ist 2027", heißt es weiter.
"Da keine Partei einen Antrag auf Durchführung eines Faschingsumzugs für 2026 eingebracht hatte – auch die FPÖ nicht, ging ich davon aus, dass alle Parteien damit einverstanden sind", betont Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP). Denn um einen Umzug durchführen zu können, brauche es aufgrund der zu erwartenden Gesamtkosten von rund 20.000 bis 25.000 Euro einen Beschluss - zumindest im Stadtrat.