Nach 105 Jahren

Waldviertler Traditionsweberei pleite – 32 Jobs wackeln

Nach einer über hundertjährigen Firmengeschichte im niederösterreichischen Gmünd, musste der Traditionsbetrieb TVG Insolvenz anmelden.
Aram Ghadimi
19.01.2026, 05:30
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Mitten im zweiten Jahr der Corona-Pandemie, 2021, feierte die Textilveredelung Gmünd GmbH (TVG) ihr 100-jähriges Bestehen. Heute, fünf Jahre später, gibt es nur noch wenig zu feiern, denn die TVG kann ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen. Jetzt bangt die 32-köpfige Belegschaft der Traditionsweberei um ihre Jobs – und 82 Gläubiger um ihr Geld.

Vor wenigen Tagen, am 13. Jänner 2026, musste am Landesgericht Krems a. d. Donau ein Sanierungsverfahren eröffnet werden. In der diesbezüglichen Insolvenzmeldung des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) heißt es, dass der Betrieb, mit Sitz in der Weitraer Straße 115 in Gmünd, schon länger Umsatzrückgänge hinnehmen musste.

Millionenpleite, Sanierung geplant

Dazu kam es, laut dem Unternehmen, weil zuletzt Bestellungen aus dem Hotelbereich ausgeblieben waren. Gestiegene Energie- und Rohstoffkosten für Chemikalien belasteten das Unternehmen schwer, sodass die Weberei schließlich in die Zahlungsunfähigkeit rutschte. Nach eigenen Angaben verfügt der Betrieb über Aktiva von rund 425.000 Euro. Dem stehen aber Gesamtforderungen von rund 2,1 Millionen Euro gegenüber. Davon sind 82 Gläubiger mit betroffen.

Die TVG, mit Geschäftsführer Thomas Pfeiffer, der auch als Gesellschafter beteiligt ist, möchte den Betrieb fortführen und das Unternehmen sanieren. Jedoch ohne Eigenverwaltung, wie der AKV schreibt. Die Zwettler Rechtsanwältin Martina Withoff wurde daher als Insolvenzverwalterin eingesetzt und soll das Sanierungsverfahren leiten.

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Schwester-Unternehmen Herka ebenfalls pleite

Die Insolvenz der Textilveredelung Gmünd GmbH hängt mit der Pleite ihrer größeren, aber jüngeren Schwester, der Herka GmbH, eng zusammen. Der Familienbetrieb aus dem niederösterreichischen Kautzen, musste zeitgleich seine Zahlungsunfähigkeit bekannt geben.

Bei der Herka GmbH sind sogar 68 Mitarbeiter von der Pleite betroffen. Einige wandten sich bereits an Stellen der Arbeiterkammer und Gewerkschaft, weil ihnen keine Löhne und kein Weihnachtsgeld ausbezahlt wurden. Ebenfalls am 13. Jänner, wurde über die Herka GmbH ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.

Die ausstehenden Löhne aber sollen der Belegschaft rückwirkend durch den Insolvenzausgleichsfonds bezahlt werden. Seitens der Gewerkschaft hieß es, dass die Betroffenen in den nächsten vier bis acht Wochen ihre ausständigen Gehälter erhalten sollen, schreiben die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN). Die Verantwortung hierfür liege nun aber nicht mehr beim Betrieb, sondern beim zuständigen Masseverwalter.

Nur gesetzliches Minimum angeboten

Den Gläubigern beider Unternehmen soll jeweils ein Sanierungsplan angeboten werden. Er sieht bei der TVG derzeit eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, vor. Auch die Herka bot diese Quote. Der Alpenländische Kreditorenverband kündigte an, die Realisierbarkeit genau prüfen zu wollen. Dabei soll jeweils geklärt werden, ob der Vorschlag, der laut Kreditschützern nur das gesetzliche Minimum erfüllt, noch verbessert werden kann.

Unklare Zukunft

Betroffene Gläubiger der TVG können ihre Forderungen noch bis 11. Februar 2026 geltend machen. Zwei Wochen später, am 25. Februar, finden dann die Berichtstagsatzung, die Prüfungstagsatzung und eine erste Gläubigerversammlung statt und im März folgt schließlich die Sanierungsplantagsatzung. Erst dann wird endgültig feststehen, ob und wie es weitergeht.

Die Textilveredelung Gmünd wurde 1921 gegründet. Zuletzt bearbeitete und veredelte die TVG Flachgewebe und Strickwaren, darunter Frottier, Heim- und Funktionstextilien, etwa für den Hotel- und Automotive-Bereich sowie die Bekleidungsindustrie.

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