Volvo geht mit dem ES90 in der Oberklasse auf Angriff. Der fünf Meter lange Stromer tritt gegen BMW i5, Mercedes EQE und Audi A6 e-tron an und setzt dabei vor allem auf Komfort, moderne Technik und viel Platz.
Schon auf den ersten Metern fällt auf: Der ES90 ist ein ausgesprochen leises und gediegenes Auto. Wind- und Abrollgeräusche dringen kaum in den Innenraum, das Fahrwerk – vor allem mit der optionalen Luftfederung – schluckt Unebenheiten butterweich weg.
Im Test trat der ES90 als Single Motor Extended Range Ultra an. Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 333 PS und 480 Nm Drehmoment. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt die Luxuslimousine in 6,6 Sekunden, bei 180 km/h wird elektronisch abgeregelt.
Der 90-kWh-Akku (netto) arbeitet mit moderner 800-Volt-Technik und ermöglicht laut Werk eine Reichweite von bis zu 651 Kilometern.
Im Alltag zeigte sich jedoch ein etwas anderes Bild. Auf der Autobahn pendelte sich der Verbrauch bei rund 21 kWh pro 100 Kilometer ein – damit sind etwa 420 Kilometer realistisch. Im gemischten Betrieb lag der Verbrauch bei 18 bis 19 kWh, was einer Reichweite von rund 500 Kilometern entspricht. Auf der Landstraße waren sogar 16 kWh möglich, womit bis zu 560 Kilometer drin sind.
An der Stelle muss angemerkt werden, dass der ES90 über den gesamten Testzeitraum mit Temperaturen um die 40 Grad unterwegs war. Die Klimaanlage sowie die Sitzkühlungen liefen also auf Anschlag.
Der Verbrauch geht für so ein luxuriöses Auto voll in Ordnung, ist jedoch nicht rekordverdächtig. Das Ass im Ärmel des Schweden aus China ist jedoch seine Ladegeschwindigkeit: An Schnellladesäulen kann der Volvo mit bis zu 310 kW laden. Unter optimalen Bedingungen dauert der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent nur 22 Minuten.
Das konnten wir im Test auch souverän nachstellen. Damit ist der ES90 durchaus ein starker Landstreckengleiter. Zuhause lädt der Volvo immerhin mit 11 kW an der Wallbox – da sollte man dann rund neun Stunden für eine Vollladung einplanen.
Vor allem im Fond spielt der ES90 seine Stärken aus. Das Platzangebot ist üppig, selbst groß gewachsene Passagiere sitzen äußerst bequem. Das serienmäßige Panorama-Glasdach sorgt zusätzlich für ein luftiges Raumgefühl.
Zur Ultra-Ausstattung gehören unter anderem bereits Sitzbelüftung im Fond(!), ein 14,5-Zoll-Display sowie zahlreiche Komfort- und Assistenzsysteme.
Praktisch zeigt sich auch der Kofferraum: 442 Liter passen hinein, bei umgeklappten Rücksitzen wachsen sie auf 1.445 Liter. Zusätzlich gibt es vorne noch einen 27 Liter großen Frunk. Wer einen Anhänger ziehen möchte, darf sich über 2.000 Kilogramm Anhängelast freuen.
Mit einem cw-Wert von nur 0,25 gehört der ES90 zu den windschnittigsten Fahrzeugen seiner Klasse. Das Beste daran: Anders als manche Konkurrenten wirkt der Volvo dabei nicht wie ein "angelutschtes Zuckerl", sondern bleibt seiner klaren, skandinavischen Designsprache treu. Er trägt nicht zu dick auf und bietet gleichzeitig viele Luxus-Features, ohne dabei den Nachbarn eifersüchtig zu machen.
Ganz ohne Kritik kommt der ES90 allerdings nicht davon. Klassische Schalter sucht man nahezu vergeblich. Selbst Funktionen wie die Verstellung der Außenspiegel oder die Lenkradeinstellung werden über den Touchscreen in Kombination mit den Tasten am Lenkrad bedient.
Auch die kleine Heckscheibe schränkt die Sicht nach hinten deutlich ein. Optional gibt es dafür einen digitalen Innenspiegel. In unserem Testfahrzeug war der jedoch nicht mit an Bord.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist außerdem der Verzicht auf einen klassischen Autoschlüssel. Stattdessen erfolgt der Zugang über eine Schlüsselkarte oder über das eigene Smartphone.
Der Volvo ES90 Single Motor Extended Range Ultra startet in Österreich bei 68.490 Euro. Der getestete Wagen kam mit Extras wie Bowers & Wilkins Soundsystem (3.480 Euro), Luftfederung (2.270 Euro), Nappaleder (1.700 Euro), 22-Zoll-Felgen (1.370 Euro) und weiteren Optionen auf einen Gesamtpreis von 91.270 Euro.
Der Volvo ES90 überzeugt mit exzellentem Fahrkomfort, hoher Laufruhe, viel Platz und einer alltagstauglichen Reichweite. Kleine Schwächen wie die konsequente Bedienung über den Touchscreen oder die eingeschränkte Sicht nach hinten ändern wenig daran: Volvo ist ein gelungenes Elektro-Flaggschiff gelungen, das sich vor BMW, Mercedes und Audi keineswegs verstecken muss. Und für den ein oder anderen könnte das womöglich der Grund sein, gegen den Strom zu schwimmen und sich am Ende doch für den luxuriösen Volvo zu entscheiden.