Amélie Polak im Gespräch

Vom Bohrer zur Bühne – Musicalstar legt Arztjob auf Eis

Statt in der Zahnarztordination steht Amélie Polak aktuell im Rampenlicht des Ronachers. Mit "Heute" sprach sie über ihren ungewöhnlichen Karriereweg.
Yvonne Mresch
01.06.2026, 05:30
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Warum nicht beides sein?" schreibt Amélie Polak auf ihrem Instagram-Profil. Von ihrer Wandelfähigkeit als Schauspielerin spricht die 29-Jährige dabei allerdings nicht. Als Zahnmedizinerin und Musicaldarstellerin hat sie auf ihrem Berufsweg, wie sie selbst sagt, eine "wilde Kombi" gewählt.

Der Berufsweg im Blut

Das medizinische Interesse wurde der gebürtigen Wiener Neustädterin quasi in die Wiege gelegt – die Mutter ist Allgemeinmedizinerin, der Vater Zahnarzt. "Diese Themen waren bei uns immer am Esstisch", schmunzelt sie im Gespräch mit "Heute". Die Liebe zum Musical kam ebenso über die Medizin: "Meine Mama macht seit über 20 Jahren Theaterdienste, ab und zu auch im Ronacher. Sie ist selbst sehr an Kultur interessiert und hat mich schon früh mitgenommen. Ich habe unterschiedliche Stücke gesehen und teilweise musste sie mehrmals mit mir gehen, weil ich es so cool fand!"

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Nach der Matura entschied sich Polak zunächst für das Studium der Zahnmedizin. Doch es dauerte nicht lange, bis sie die Liebe zum Musical einholte: "Ich habe gemerkt, dass ich dem Ganzen eine Chance geben muss. Ich wusste, ich würde mich ärgern, wenn ich es nicht versuche." Gesagt, getan – an der "Broadway Academy of Musical Theatre" in Wien begann die fleißige Nachwuchskünstlerin ihr Musicalstudium.

Im Musical "Maria Theresia" (hier beim "Heiratsroulette") verkörpert Amélie Polak die "Marie Christine" sowie an ausgewählten Tagen auch die der Monarchin und Protagonistin.
VBW/Deen van Meer

"Ein Kindheitstraum ist wahr geworden"

Drei Jahre absolvierte Polak beide Studiengänge parallel. Die für sie richtige Entscheidung, auch wenn sie zahlreiche Herausforderungen mit sich brachte. "Es braucht vor allem sehr viel Disziplin", gibt die Niederösterreicherin zu. 2019 beendete sie schließlich erfolgreich ihre Musicalausbildung. Während der Corona-Pandemie, die die Schließung der Theater mit sich brachte, nutzte sie die gewonnene Zeit um ihre Doktorarbeit fertigzustellen und darf nun seit 2021 auch offiziell den Doktortitel tragen.

Sowohl in der Praxis ihres Vaters, als auch auf den Musicalbühnen legte Polak einen fulminanten Start hin – bis schließlich der lang ersehnte Anruf und die Zusage für das Musical "Maria Theresia" im Wiener Ronacher kam, in dem die Schauspielerin derzeit als Marie Christine sowie in der Zweitbesetzung der Titelrolle zu sehen ist. "Es bedeutet mir so viel, für mich ist ein Kindheitstraum wahr geworden und er wird jeden Tag wahr, wenn ich zur Arbeit gehe", strahlt die Darstellerin. "Schon als kleines Kind bin ich oft in diesem Theater gesessen, habe meine Abschlussprüfung hier gemacht. Am Tag der Zusage gab es ganz viele Freudentränen."

Patienten als Theaterbesucher

Nicht verwunderlich also, dass die Zahnmedizin aktuell auf Eis liegt. "Momentan konzentriere ich mich mehr auf den Musicalberuf, weil er mich erfüllt und zeitlich auch sehr intensiv ist", erklärt sie. "Aber ich bin stolz, dieses Standbein zu haben, auf das ich immer zurückgreifen kann." Besonders schön seien die Reaktionen der Patienten: "Viele fragen mich, wann ich spiele und kommen dann ins Theater!"

Dass die Kombination beider Berufe "wild" sei, habe sie des Öfteren gehört: "Mir ist auch noch nie jemand über den Weg gelaufen, der dasselbe macht. Aber ich bin dankbar, beides zu haben." Dennoch gäbe es Parallelen zwischen dem Musical- und Arztberuf, ist Polak sicher: "Man braucht Teamfähigkeit und Empathie für Menschen. Am Arztstuhl kann ich nicht alleine arbeiten und auch eine Show ist ein gemeinsames Produkt."

"Kollegen bitten mich um Tipps"

Den Musical-Erfolg möchte die Darstellerin nun so lange wie möglich genießen, wie sie sagt. "Ich habe das Gefühl, ich stehe in den Startlöchern und freue mich auf alles, was kommt." Und das ist nicht wenig – denn auch abseits ihres Haupt-Engagements ist Polak aktiv: In ihrem selbst gestalteten Vlog liefert sie regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen von "Maria Theresia" und am 1. Juni gibt sie im Wiener Vindobona ihr erstes Solokonzert: "Es wird ein buntes Programm aus Musical- und Popsongs, ich freue mich sehr darauf", strahlt die Sängerin.

Ganz hinter sich lassen kann sie ihren zweiten Beruf aber auch im Theater nicht, wie sie schmunzelnd berichtet: "Es passiert schon ab und zu, dass Kollegen mich bitten, mal kurz auf ihre Zähne zu schauen. Es stört mich aber nicht." Selbst achte sie auf und abseits der Bühne seit dem Studium ganz besonders auf ihre Zahngesundheit: "Zahnseide kann ich jedem empfehlen", so der lachende Appell an die Community. Egal ob am Zahnarztstuhl oder auf den Brettern des Ronacher – Amélie Polak hat ihre Berufung gefunden.

{title && {title} } ym, {title && {title} } Akt. 01.06.2026, 09:19, 01.06.2026, 05:30
Mehr zum Thema
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen