Alles begann im Jahr 1886: Die Welt sah vor 140 Jahren noch völlig anders aus. Es gab keinen
Kühlschrank, kein Radio, keinen Fernseher, die neueste "Erfindung" war damals das Auto und ein Getränk namens "Coca-Cola" – und der "Ober St. Veiter Drahrer Club", aus dem später das Narrenzentrum Ober St. Veit hervorging. 140 Jahre später besteht die Faschingsgilde noch immer – und feiert heuer ihren runden Geburtstag.
Dabei hatte der Verein ursprünglich einen ernsten Hintergrund. Der Drahrer Club engagierte sich für bedürftige Kinder und organisierte jedes Jahr einen Faschingszug durch Ober St. Veit. Mit möglichst vielen Zuschauern sollten Spenden gesammelt werden. Faschingsumzüge dieser Art waren damals in Wien noch eine Besonderheit.
Bis heute setzt die Gilde auf auffällige Verkleidungen. Jedes Jahr wird ein neues Motto gewählt und das passende Kostüm dazu selbst hergestellt. Die Narren sprechen dabei von ihren "Gwandln". Die Bandbreite der vergangenen Jahre war groß: Unter anderem waren die Mitglieder bereits als rote Fliegenpilze, Pharaonen, Ninja Turtles und Sonnenblumen unterwegs. Auch eine "Trinkerheilsarmee" gehörte schon zu den Verkleidungen.
In 140 Jahren kamen auch einige kuriose Geschichten zusammen. Bei einem Spaghetti-Wettessen ging etwa ein heute bekannter Jurist als Sieger hervor. Ein "Narrenbürgermeister" verpasste wiederum beinahe das traditionelle Narrenwecken, nachdem bei einem Stromausfall der Lift stecken geblieben war.
Eine weite Reise unternahm die Gilde 1997. Damals ging es in die USA. Die Zauberkünstler Siegfried und Roy luden die Ober St. Veiter zu einer ihrer Shows ein. Anschließend trafen die Wiener Narren die beiden auch im Backstage-Bereich.
Der 140. Geburtstag soll am 7. November 2026 auch bei der Veranstaltung "Spirit of Carneval" in der Lugner City gefeiert werden. Dabei soll die historische Gildenfahne an das Faschingsmuseum übergeben werden.
Seit mittlerweile 46 Jahren steht Emma Zorga als "Ministerpräsidentin" an der Spitze des Narrenzentrums. Für die Zukunft hat sie vor allem einen Wunsch: "Für mich zählt das wir weiterhin gemeinsam ganz viel Spaß haben, so wie in den vergangenen 140 Jahren auch und möglichst viele andere damit anstecken, damit der Fasching noch ganz lange weiterlebt."