Lindsey Vonn ist nach ihrem Horror-Sturz in der Olympia-Abfahrt von Cortina aus dem Spital entlassen worden. Fast zwei Wochen lag die 41-Jährige im Krankenhausbett. Jetzt meldet sie sich erstmals ausführlich zu Wort und spricht über eine zertrümmerte Knochenstruktur und "die schmerzvollste Verletzung" ihres Lebens.
"Es war ein langer Weg, die extremste und schmerzvollste Verletzung, die ich in meinem gesamten Leben hatte. Ich hatte eine komplexe Tibiafraktur. Auch den Schienbeinkopf. Alles war zertrümmert", schildert Vonn in einem Video.
Besonders dramatisch: Neben der Fraktur erlitt die US-Amerikanerin ein Kompartmentsyndrom. "Warum es so komplex war, ist, weil ich Kompartmentsyndrom hatte. Das heißt, ich hatte so viel Trauma in diesem Bereich des Körpers – da ist zu viel Blut in diesem Bereich und es bleibt stecken und zerquetscht mehr oder weniger alles dort. Muskeln, Nerven, alles stirbt ab."
Die Ärzte mussten sofort handeln. "Sie haben beide Seiten aufgeschnitten wie ein Filet, um es atmen zu lassen. Der Arzt sagte mir, sie haben mein Bein gerettet."
Insgesamt dauerte allein die erste Operation sechs Stunden. "Die sechs-Stunden-Operation ist unglaublich gut gelaufen." Dennoch blieb Vonn länger im Spital als erhofft. "Ich war länger im Spital, als ich gehofft hätte, weil ich sehr niedrige Hämoglobinwerte hatte von all den Operationen und all dem Blutverlust. Ich hatte richtig Probleme, der Schmerz war außer Kontrolle."
Eine Bluttransfusion brachte schließlich Stabilität. "Ich hatte eine Bluttransfusion, das hat mir geholfen. Ich habe die Kurve gekratzt."
Bemerkenswert: Ausgerechnet eine alte Verletzung könnte entscheidend gewesen sein. "Ich sage immer, dass alles im Leben einen Sinn hat. Hätte ich mir nicht das Kreuzband gerissen – was sowieso gerissen wäre – wären sie nicht in der Lage gewesen, mein Bein zu retten. Ich bin also sehr dankbar."
Neben dem linken Bein (mit Knieverletzung) brach sich Vonn auch den rechten Knöchel. "Ich habe mir auch meinen rechten Knöchel gebrochen. Also kann ich auch noch nicht auf Krücken gehen."
Der Weg zurück wird lang. "Ich kann euch gar nicht sagen, wie schmerzvoll es war. Es war richtig hart. Das war nicht, wie ich mir das Ende meiner Olympischen Spiele vorgestellt habe."
Sie betont, keine Ärztin zu sein und ihre Verletzung nur so gut wie möglich erklären zu können. Als der Unfall passierte, sei die Situation "in vielerlei Hinsicht herausfordernd" gewesen, am Ende habe man alles wieder unter Kontrolle gebracht. Besonderen Dank richtet sie an ihren Arzt Dr. Tom Hackett sowie "den gesamten medical staff in Italien und den Staaten".
Jetzt richtet sich der Fokus auf die Rehabilitation. In einigen Wochen will sie vom Rollstuhl auf Krücken umsteigen. Rund ein Jahr werde es dauern, bis alle Knochen vollständig verheilt sind. Danach will Vonn entscheiden, ob die eingesetzten Metallteile wieder entfernt werden. Erst dann soll in einer weiteren Operation ihr Kreuzband endgültig versorgt werden.