Laut Studie der Wirtschaftskammer (WKO) drohen Österreichs Autofahrern massive Spritpreis- Steigerungen. Gründe: einerseits das "Erneuerbare-Energien- Gesetz Verkehr", auf der anderen Seite Österreichs Ambitionen beim Klimaschutz. Die Regierung will ja das EU-Ziel Klimaneutralität nicht erst 2050, sondern schon 2040 erreichen. Das hätte laut Studie massive Auswirkungen. Diesel könnte bis 2035 um 95 Cent pro Liter teurer werden, drei Euro kosten.
Nicht viel besser sähe es beim Benzin aus. Dort wären es 86 Cent. Laut WKO müssten die Betriebe dadurch zusätzliche Treibstoffkosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro pro Jahr stemmen. Sie will, dass die EU-Vorgaben ohne nationale Verschärfungen umgesetzt werden: "Klimaschutz muss leistbar bleiben, darf unsere Unternehmen gegenüber ihren europäischen Mitbewerbern nicht benachteiligen", so Generalsekretär Danninger.
Das SPÖ-geführte Verkehrsministerium hält die Berechnungen für massiv überhöht, kündigte laut "Kronen Zeitung" eine eigene Studie an.
ORF-Meteorologe Marcus Wadsak hat von der Studie ebenfalls Wind bekommen und sich in einem Facebook-Video dazu geäußert. "1 Euro mehr für Benzin und Diesel, ja die Spritpreise sollen um einen Euro steigen", erklärt der Wetter-Experte, der sich ausgerechnet hat, was eine solche Entwicklung über mehrere Jahre bedeuten würde.
Wadsak geht in seiner Rechnung dabei von einem ungefähren Spritpreis von zwei Euro aus. Ein zusätzlicher Euro würde demnach eine Verteuerung um 50 Prozent bedeuten. Auf zehn Jahre verteilt entspreche das nach seiner überschlägigen Berechnung einer jährlichen Steigerung von gut vier Prozent. Für Wadsak ist das angesichts der Preisentwicklung der vergangenen Jahre kein Grund, beim Klimaschutz zurückzurudern.
"In Zeiten wie diesen fast schon ganz normal, aber warum alarmiert da die Wirtschaftskammer so bis 2035 und fordert, dass wir deswegen Klimaschutzmaßnahmen zurückfahren sollen, weil dann was, wie Benzin billiger wird?", fragt der Wetter-Experte in seinem Video.
Besonders stört ihn, dass die Wirtschaftskammer wegen der möglichen Preissteigerung eine Abschwächung von Klimaschutzmaßnahmen fordert. Wadsak stellt infrage, ob weniger Klimaschutz tatsächlich zu günstigeren Spritpreisen führen würde.
Er verweist darauf, dass die Kosten für Benzin und Diesel auch von internationalen Konflikten und der Verfügbarkeit von Erdöl abhängen. "Ich glaube der Benzinpreis ist derzeit so hoch, weil die Amerikaner und die Russen irgendwo Krieg führen und Öl knapp wird. Außerdem 2035. Das ist doch eigentlich genug Zeit, um uns deutlicher und klarer zu machen", so der ORF-Meteorologe.
Und weiter: "Deshalb meine ich tun, dass wir raus aus fossilen Energieträgern sollten, denn da haben wir 2035 nicht mehr das Problem, wie teuer Benzin und Diesel sind, denn wir fahren im besten Fall mit Öffis, mit dem Fahrrad oder eben mit Elektromobilität, denn da sind wir relativ unabhängig von der Entwicklung der Preise von Öl und Gas."
Seine Schlussfolgerung: Statt auf dauerhaft günstige fossile Treibstoffe zu hoffen, sollte Österreich den Umstieg auf andere Verkehrsmittel beschleunigen.
Der Wetter-Experte sieht die Zeit bis 2035 als Chance, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern deutlich zu reduzieren. Als Alternativen nennt er öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad und Elektroautos.
Damit könnten sich Menschen seiner Ansicht nach stärker von den Schwankungen der Öl- und Gaspreise lösen. "Ich glaube, wir sollten dann nicht an Klimaschutzmaßnahmen drehen und die noch mehr abschwächen, sondern das ernster nehmen, rascher raus aus fossilen Energieträgern", so der Wetter-Experte.
Für Wadsak sind mögliche Verteuerungen bei Benzin und Diesel jedenfalls kein überraschendes Szenario. Entsprechende Entwicklungen seien schon lange angekündigt.
Auch auf Österreichs Klimaziele geht Wadsak in dem Video ein. Er verweist auf das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Vor diesem Hintergrund hält er das Jahr 2035 für einen passenden Zeitpunkt, um keine neuen Verbrenner mehr zuzulassen. Dabei geht er noch einen Schritt weiter und äußert eine klare Einschätzung zur Zukunft von Benzin- und Dieselautos:
"Auch die Wirtschaftskammer wird wissen, dass wir 2040 klimaneutral sein werden in Österreich und 2035 ist dann eigentlich genau der richtige Zeitpunkt, dass wir keine neuen Verbrenner mehr zulassen, weil übrigens 2035 kein Mensch mehr mit einem Benzin- oder Diesel-Auto fahren werden wird wollen", ist sich Wadsak sicher.