Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine düstere Befürchtung. Das Staatsoberhaupt geht davon aus, dass die Russen einen Angriff auf die Energieinfrastruktur planen. Dieser soll während den Midterms stattfinden. Selenskyj beruft sich dabei auf Informationen seines Geheimdienstes, berichtet "Krone".
Laut dem ukrainischen Präsidenten sei der Zeitpunkt für die angeblich bevorstehenden Angriffe nicht zufällig gewählt. Demnach werde da die ganze Welt in die USA schauen – was in der Ukraine passiere, sei den Menschen dann egal. Die internationale Gemeinschaft müsse Russland allerdings klarmachen, dass diese Art von Terror nicht akzeptiert werde.
Gleichzeitig betonte Selenskyj, dass es wichtig sei russische Ölanlagen weiterhin anzugreifen. So könne verhindert werden, dass Moskau Geld mit internationalen Geschäften verdiene. Man müsse den Druck erhöhen, damit Russland keine andere Wahl habe, als dem Krieg ein Ende zu setzen. Diesen Appell richtete der Präsident direkt an die USA: "Amerika kann das schaffen."
Zuletzt hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump jedoch das Gegenteil getan. So lockerte man Sanktionen und ermöglichte Moskau die Lieferungen von Diesel. Zudem forderte man die Ukraine auf, Angriffe auf Raffinerien einzustellen.
Hinter den russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur des Nachbarlandes steckt Kalkül. Man möchte die Bevölkerung durch Strom- und Heizungsausfälle kriegsmüde machen. Gerade vor dem anstehenden Winter erhofft man sich so Wirkungstreffer. Dazu kommt noch, dass die Ukraine zunehmend Schwierigkeiten bei der Abwehr solcher Angriffe hat.
So würde ihnen die Munition für die Raketenabwehrsysteme vom Typ Patriot ausgehen. Zwar genehmigten die USA Verkäufe an die Ukraine, die Abwicklung könnte allerdings Jahre dauern. Am Montag wurde einmal mehr deutlich, dass die Luftabwehr der Ukraine schwächelt. So kamen bei einem Angriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja mindestens 26 Menschen ums Leben.
Selenskyj sagte, dass die Attacke während der Ausgabe von humanitärer Hilfe in einer Schule erfolgte. Bei dem Bombardement wurden fünf weitere Personen verletzt, 27 Opfer gelten als vermisst. Ein zweiter Angriff sei dann auf einen Schutzraum voller Menschen erfolgt.
Der ukrainische Präsident betonte, dass die Russen über die wöchentliche Ausgabe von Hilfsgütern an diesem Ort Bescheid gewusst hätten. Laut Selenskyj würde Moskau auf "weitere Morde" setzen. Es müsse eine "starke und harte" Reaktion folgen. In der Nacht auf Dienstag wurde auch die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw mit Gleitbomben attackiert.
Laut dem dortigen Bürgermeister, Ihor Techerow, seien bei dem Angriff auf eine medizinische Einrichtung mindestens 46 Menschen verletzt worden. Man habe rund 200 Patienten aus dem Krankenhaus evakuiert. Am Gebäude und den umliegenden Häusern sei es zu Schäden gekommen.