"Herr Schlamadinger, können Sie sich an irgendetwas erinnern?" Es waren die ersten Worte, die der 50-Jährige im Krankenhaus bewusst hörte – sechs Tage, nachdem sein Leben am seidenen Faden hing.
Wie fast jeden Samstag hatte sich der Wiener auf den Parkrun vorbereitet, fünf Kilometer sollte es durch den Donaupark in Wien-Donaustadt gehen. Erinnerungen habe er keine mehr an den 23. August 2025. Alles was passiert ist, weiß er aus Erzählungen. "Nach der ersten Runde habe ich mich wohl auf eine Bank gesetzt. Ich wurde gefragt, ob es mir gut geht, habe das immer bejaht." Wenige Minuten später stürzte er, schlug mit dem Kopf am Boden auf und blieb regungslos liegen.
Ein anderer Läufer, selbst Sanitäter, bemerkte den am Boden liegenden Sportler und startete umgehend mit der Reanimation. Unter den Läufern befanden sich zwei Ärzte, die ebenfalls an der Erstversorgung beteiligt waren. "Ich war gerade an der Ziellinie, als ich gehört habe, dass ein Arzt gebraucht wird und bin sofort hingelaufen", erzählt der Helfer. "Man spürt in diesem Moment keine Emotion, man ist einfach am Machen", erinnert sich einer der Lebensretter. "Wichtig war, dass es einen Defibrillator gab – ein Lob an den Veranstalter."
Der Defibrillator dürfte wohl Schlamadingers Leben gerettet haben. Nach zehn Minuten – die Rettung war bereits vor Ort – soll er nach eigenen Angaben bereits außer Lebensgefahr gewesen sein. Diagnose: Myocarditis. "Die Minuten bis die Rettung eintraf, waren entscheidend und es wurde alles Nötige gemacht, das war Glück im Unglück", betont ein anderer Ersthelfer. Die Rettungskette habe einwandfrei funktioniert.
Schlamadinger lag sechs Tage im künstlichen Tiefschlaf und war danach noch mehrere Wochen im Krankenhaus. Heute, ein Jahr später, ist er wieder gesund. "Ich habe keine Folgeschäden, außer etwas Reizhusten, wahrscheinlich von der Reanimation", berichtet er. Warum es zu der Myocarditis kam, ist bis heute unklar. "Die Ärzte wissen nicht, warum das passiert ist. Meine Blutwerte sind gut und das Herz sieht auch gut aus", so der Journalist, der 2018 eine Ernährungsumstellung startete und 40 Kilogramm abnahm, während er die Liebe zum Laufen entdeckte. Ein Restrisiko bleibe laut Ärzten dennoch bestehen.
Für ihn ist das Geschehene unglaublich: "Dass ich hier sitzen und reden und sogar wieder laufen kann, ist ein Wunder. Ich habe zu Gott gefunden und mich taufen lassen. Würde er wollen, dass ich nicht überlebe, dann wäre ich nicht mehr hier. Aber scheinbar habe ich hier noch etwas zu erledigen", schmunzelt er.
Besonders dankbar ist er seinen Lebensrettern: "Danke an alle, die so engagiert waren und sich eingesetzt haben – und nicht mal öffentlich Dank dafür wollen." Auch für die Nachrichten und Glückwünsche sei er sehr dankbar, bis zu 700 waren es.
Ein halbes Jahr nach dem Vorfall begann Claus Schlamadinger wieder zu laufen. Am Samstag, 22. August, knapp ein Jahr später, will er nun den "Lauf seines Lebens" schaffen. Beim Parkrun will er die Runde, die er vor einem Jahr nicht beenden konnte, ganz offiziell beenden, im Beisein von Freunden, Familie und Unterstützern. "Ich weiß nicht, wie viele Leute kommen, aber ich freue mich über jeden." Start ist um 9 Uhr im Donaupark.
Körperlich hat das Erlebte kaum Spuren hinterlassen, psychisch kämpft der Wiener jedoch noch mit den Folgen. "Ich muss noch einiges aufarbeiten", sagt er. Eine Therapie könne er sich derzeit nicht leisten, aber seine Arbeit in den sozialen Medien sowie die wöchentlichen Kirchenbesuche würden ihm guttun. Und möchte seine ganz persönliche Message nach draußen tragen: "Man kann noch so tief fallen im Leben, es geht immer wieder bergauf. Ich habe so viel überlebt, ich werde auch jetzt nicht aufgeben!"