In den USA sorgt nicht nur der härteste Winter seit Jahrzehnten für Schlagzeilen, sondern auch ein ungewöhnliches Naturphänomen: In Teilen des Mittleren Westens und der nördlichen Plains ertönen derzeit laute Knalle in den Wäldern – als würden Bäume plötzlich "explodieren", wie es auf Social Media oft beschrieben wird. Was wirklich dahintersteckt, erklärt der US-Meteorologe Matt Serwe auf Instagram.
Er betont, dass die Bäume nicht im klassischen Sinne "explodieren". Was viele hören und umgangssprachlich als "Baumexplosion" bezeichnet wird, seien sogenannte Frostrisse: Bei abrupten Temperaturstürzen gefriert der Saft im Inneren der Bäume und dehnt sich aus. Dadurch baut sich ein enormer Innendruck auf, der die Rinde mit einem lauten Knall aufreißen lässt.
Dem pflichtet auch John Seiler, Professor für Forstwirtschaft an der Virginia Tech, gegenüber CNN bei: "Es klingt wirklich spektakulär, aber es fliegen keine Holzsplitter durch die Luft wie bei einer Detonation."
Der aktuelle Wintersturm hat weite Teile der USA erfasst und Temperaturen von teils unter minus 30 Grad Celsius gebracht. In vielen Regionen sind die Märztiefs ungewöhnlich früh und extrem stark ausgeprägt – verursacht durch einen instabilen Polarluftstrom, der arktische Kälte weit nach Süden treibt.
Bei solch plötzlichen Kälteeinbrüchen kann der Wassergehalt in Baumstämmen innerhalb weniger Minuten gefrieren und sich ausdehnen. Besonders ältere Bäume oder solche mit hoher Feuchtigkeitsaufnahme sind dabei anfällig für Frostrisse.
Trotz der dramatischen Geräusche stellen die Knalle selbst für Menschen keine unmittelbare Gefahr dar. Allerdings steigt bei solchen extremen Wetterbedingungen das Risiko von herabfallenden Ästen oder ganzen Bäumen – etwa durch zusätzliches Gewicht von Eis und Schnee. Solche herabstürzenden Teile können sehr wohl zu Schäden an Häusern, Fahrzeugen oder im schlimmsten Fall zu Verletzungen von Menschen führen.