Schmerz oft unerträglich

Tod von Haustier trifft härter als menschlicher Verlust

Für viele ist Hund oder Katze ein Familienmitglied. Stirbt ein Haustier, verlieren viele mehr als "nur" einen Begleiter – das bestätigt eine Studie.
Heute Life
25.01.2026, 17:59
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist Trauer selbstverständlich – doch auch der Verlust eines Haustiers kann ebenso tief gehen. Darauf weist eine Studie der Maynooth University (Irland) hin. Für manche Betroffene ist der Tod eines Hundes oder einer Katze sogar schmerzhafter als der Verlust eines Menschen, schreibt Studienautor Philip Hyland.

Für die Untersuchung wurden im März 2024 im Vereinigten Königreich 975 Erwachsene befragt. Rund ein Drittel (32,6 Prozent) hatte bereits ein Haustier verloren, fast alle zudem einen nahestehenden Menschen. Auf die Frage nach dem schmerzlichsten Verlust nannten 21 Prozent ihr Haustier – selbst dann, wenn sie zuvor Eltern, Geschwister oder enge Freunde verloren hatten.

Stellenwert des Tieres entscheidend

Entscheidend sei der emotionale Stellenwert, den ein Tier im Leben eines Menschen einnimmt, erklärt Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Kiel (Deutschland), die nicht an der Studie beteiligt war. Viele Menschen betrachteten ihre Haustiere als Familienmitglieder. In einer Gesellschaft, in der Tieren ein so hoher emotionaler Wert zugeschrieben werde, sei es völlig nachvollziehbar, dass um sie auch wie um Angehörige getrauert werde.

Anhaltende Trauerstörung

Bei 7,5 Prozent der Befragten war die Trauer so ausgeprägt, dass sie als anhaltende Trauerstörung eingestuft wurde. Diese Quote ist vergleichbar mit jener nach dem Tod naher Familienmitglieder oder enger Freunde. Betroffene leiden dann unter massiven Schwierigkeiten, den Verlust zu akzeptieren, sowie unter intensiven Gefühlen von Traurigkeit, Wut oder Sehnsucht, die sie allein nicht bewältigen können. Hinzu kommt, dass die Beziehung zu Haustieren oft frei von Konflikten, Erwartungen oder sozialen Rollen ist. Tiere hören zu, urteilen nicht und sind verlässlich präsent. Besonders für ältere Menschen, Halter von Assistenz- oder Begleithunden oder Personen mit wenig sozialen Kontakten können sie zu zentralen Bindungspartnern werden. Stirbt das Tier, fällt nicht nur diese emotionale Stütze weg – auch der Alltag verändert sich drastisch: Spaziergänge, Fütterungszeiten und soziale Kontakte brechen plötzlich weg, so Doering.

Was hilft, wenn die Trauer bleibt

Nur eine Minderheit der Trauernden entwickelt eine anhaltende Trauerstörung. Psychotherapeutisch behandelt würden jene, die ihre Trauer weder allein noch mit Unterstützung ihres Umfelds bewältigen können.
Was hilft, ist individuell verschieden: Manche brauchen Zuspruch, andere Zuhören oder Ablenkung. Oft unterstützen Rituale und neue Routinen, etwa ein Grab oder ein Abschiedsritual. Wichtig sei vor allem, der Trauer Raum zu geben und keinen Zeitdruck aufzubauen. Trauer werde gesellschaftlich oft zu wenig akzeptiert und zu schnell relativiert, so Doering.

Wenn Trauer jedoch über längere Zeit den Alltag massiv beeinträchtigt, raten Fachleute zu professioneller Hilfe. International ist die anhaltende Trauerstörung bislang nur bei Verlusten von Menschen als Diagnose anerkannt – nicht bei der Trauer um Tiere. Studienautor Hyland hält das für problematisch: Viele Betroffene fühlten sich mit ihrer Trauer um ein Haustier isoliert oder beschämt. Angesichts dessen sollte die Nichtberücksichtigung von Haustierverlusten in den Diagnosekriterien seiner Ansicht nach neu bewertet werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 26.01.2026, 12:34, 25.01.2026, 17:59
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen